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Leben mit der Krankheit Krebs

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 Therapiemöglichkeiten
ingoborm Offline

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Beiträge: 348

26.03.2006 13:15
Standarts in der Schmerztherapie Antworten

Hier folgt zwar ein etwas älterer, aber dafür durchaus lesenswerter Artikel:

STANDARDS IN DER SCHMERZTHERAPIE


Einleitung

Palliativmedizin ist seit Jahrzehnten erfolgreich bemüht, nicht nur das Sterben "humaner" zu gestalten, sondern vielmehr ein würdevolles "Leben bis zuletzt" zu ermöglichen. Wesentlich dabei ist ein multidisziplinäres Betreuungskonzept, das sich nicht nur auf eine individuelle optimale Schmerz- und Symptomkontrolle stützt, sondern eine adäquate psychosoziale Begleitung des Patienten und seiner Angehörigen einschließt. Betroffen sind in der Regel häufig auch jüngere Patienten, die mitten aus dem aktiven Leben gerissen werden.

Palliativmedizinische Maßnahmen umfassen folgende Bereiche:

* Schmerztherapie:

* Medikamentöse Maßnahmen

* Strahlentherapeutische Maßnahmen

* Neurochirurgische Maßnahmen

* Operative Maßnahmen

* Psychologische Maßnahmen

* Betreuung des Schwerkranken und Sterbenden

* ambulant

* im Krankenhaus

* in speziellen Einrichtungen (Hospize)

Schmerztherapie

1. Allgemeines

Das Ziel der Schmerzbehandlung ist zumindest die Schmerzreduktion, möglichst aber die Schmerzvorbeugung bei Erhalt kognitiver Funktionen. Bis zu 90% aller Tumorschmerzpatienten können durch eine optimale orale Analgetikaeinnahme zufriedenstellend analgetisch behandelt werden. Ein essentielles Prinzip der modernen medikamentösen Tumorschmerztherapie liegt in der Anpassung des jeweiligen Therapieplanes an die Bedürfnisse des Patienten. Dazu ist eine spezifische, patientenindividuelle Schmerzdiagnose hinsichtlich der schmerzauslösenden Ursache(n) und des beim Patienten vorliegenden Schmerzcharakters (Schmerzart) notwendig, da unterschiedliche Schmerzarten teils unterschiedliche Therapieansätze erfordern. Ebenso müssen noch potentielle kausale Therapiemöglichkeiten (Operation, Radiatio, Chemotherapie) überdacht werden, bevor der Schmerz, in seiner Funktion als Warnsymptom, durch die begonnene Schmerztherapie verschleiert wird. Psychologische Maßnahmen können der Schmerzreduktion und besseren Schmerzverarbeitung dienen.


2. Medikamentöse Maßnahmen
1. WHO-Stufenplan der Krebsschmerztherapie:

Im wesentlichen werden 3 Substanzklassen in der medikamentösen Schmerztherapie verwendet:

1. Nichtopioidanalgetika

2. Opioidanalgetika

3. Adjuvante Medikamente - Koanalgetika und Begleitmedikamente

Die Medikamentenauswahl aus diesen verschiedenen Substanzklassen und deren Kombination geschieht am besten durch Orientierung an den seit Jahren bewährten WHO-Stufenplan der Krebsschmerztherapie (Abb.1). Die Therapiestufen des WHO-Stufenplanes werden entsprechend der Schmerzstärke und der Schmerzsymptomatik des Patienten bis zur Erreichung einer adäquaten Schmerzreduktion durchlaufen.

* Die 1. Stufe bilden die Nichtopioidanalgetika (z.B. Ibuprofen, Dexibuprofen, Diclofenac, Paracetamol, Metamizol). Grundsätzlich sollten diese Medikamente in der Tumorschmerztherapie im hohen Dosisbereich eingesetzt werden.
* Bei fortbestehenden Schmerzen oder inadäquater Wirkung der Monotherapie mit Nichtopioiden werden in der 2. Stufe schwache Opioidanalgetika (z.B. Tramadol, Dihydrocodein retard) hinzugefügt.
* Wird auch unter dieser Kombinationstherapie keine ausreichende Schmerzreduktion erreicht, wird in der 3. Stufe das schwache Opioidanalgetikum durch ein starkes (Morphin, Buprenorphin) ersetzt, jedoch weiterhin in Kombination mit einem Nichtopioidanalgetikum.
* Adjuvante Medikamente (z.B. Antidepressiva, Antiepileptika, Kortikoide) können in jeder dieser Therapiestufen indiziert sein.
* Bei besonders starker Schmerzsymptomatik, wie sie bei Tumorschmerzen häufig vorkommt, kann in Abwandlung des WHO-Stufenplanes, schon zu Beginn in der 2. oder auch 3. Stufe eingestiegen werden.

1. Schmerztherapieplan:
* Da Tumorpatienten in den meisten Fällen an Dauerschmerzen leiden, muß die Tumorschmerztherapie nach einem fest vorgegebenen Zeitplan (nach der Uhr) erfolgen. Eine Schmerztherapie nach Bedarf, wie sie in früheren Zeiten meist durchgeführt wurde, stellt nach heutigem Wissen eine inadäquate und fehlerhafte Therapieform dar. Das Prinzip der modernen Schmerztherapie ist vor allem die Vermeidung von Schmerzen.
* Das Ziel ist die Ermittlung einer Basisdosierung von Analgetika (-kombination), die, in regelmäßigen Abständen eingenommen, eine für den Patienten zufriedenstellende Analgesie bewirkt.
* Trotzdem kann es auch unter einer gut eingestellten Basisschmerztherapie auf Grund Patienten-individueller Schwankungen der Schmerzintensität (Belastungsabhängigkeit, Wetterabhängigkeit, psychische Einflüsse usw.) zum Auftreten von Durchbruchschmerzen kommen. Damit der Patient diesen Schmerzspitzen nicht hilflos ausgesetzt ist, muß im Schmerztherapieplan eine "Zwischendosis", d.h. eine Opioiddosis, die bei akuter Schmerzsymptomatik eingenommen werden darf, vorgeschrieben werden. Die Höhe dieser Zwischendosis beträgt üblicherweise ca. 30% der Basisdosis. Unabhängig von der Einnahme der Zwischendosis wird die Basisdosierung weiter nach Zeitplan verabreicht. Werden vom Patienten mehr als 3-4 Zwischendosierungen pro Tag benötigt, sollte die Basisdosis erhöht werden. Durch Einbeziehung von Zwischendosierungen in den Therapieplan ist es möglich, die Basisdosierung etwas niedriger zu halten. Damit kann eine dem dynamischen Schmerzgeschehen des Patienten angepaßte Schmerztherapie erstellt werden. Zur Zwischendosierung eignen sich nur Analgetika mit schneller Anschlagzeit (z.B. Tramadol, nicht retardiertes Morphin). Retardpräparate sind aufgrund ihres langsamen Wirkungseintrittes zur Therapie akuter Schmerzentgleisungen nicht geeignet.
1. Medikamente:

Im folgenden werden die einzelnen Substanzklassen näher behandelt. Präparate und Dosierungsvorschläge sind in den Tabellen 1, 2 und 3 angeführt.
* Nicht-Opioidanalgetika (Tab. 1): Wegen der niedrigen gastrointestinalen Nebenwirkungsrate und der langen Wirkdauer (8 Stunden) wird in der Tumorschmerztherapie Ibuprofen bzw. Dexibuprofen bevorzugt. Liegen vor allem viscerale Schmerzen vor, ist Metamizol das Mittel erster Wahl (cave Knochenmarksdepression und ev. allergische Reaktionen!).
* Opioidanalgetika
* Schwache Opioidanalgetika: Die Dosis der schwachen Opioide sollte bis zu den empfohlenen Grenzwerten gesteigert werden, um deren Analgesiequalität wirklich beurteilen zu können. Stellen sich unter dieser Therapie intolerable Nebenwirkungen ein (z.B. Übelkeit, Erbrechen, übermäßige Sedierung), oder müssen die Analgetika auf Grund der sich einstellenden Verkürzung der Wirkdauer (Toleranz) zu häufig eingenommen werden, sollte auf die nächste Stufe des WHO-Stufenplanes übergegangen werden.
* Starke Opioidanalgetika: In der Gruppe der starken Opioidanalgetika ist Morphin das Mittel der ersten Wahl. Buprenorphin, ein partieller Agonist mit teilweiser antagonistischer Wirkung, ist nur bei speziellen Indikationen (wenn die sublinguale Medikamentenverabreichung einen Vorteil bringt) indiziert. Zusätzlich kann bei Patienten, bei denen unter Morphintherapie nicht beherrschbare Nebenwirkungen (v.a. Obstipation oder Übelkeit) auftreten, ein Opioidwechsel auf das nebenwirkungsärmere Buprenorphin erfolgreich sein. Auf keinen Fall jedoch dürfen Morphin und Buprenorphin in Kombination angewendet werden. Durch die partielle Wirkung des Buprenorphin können eine Verschlechterung der Analgesiequalität und sogar leichte Entzugssymptome ausgelöst werden. Fentanyl TTS stellt für Patienten, die nicht schlucken können oder ausgeprägte Obstipation unter Morphintherapie zeigen und unter leichten bis mittelschweren und nicht ondulierenden Tumorschmerzen leiden, eine gute Alternative dar.
* Adjuvante Medikamente - Begleitmedikamente (Tab. 2): Begleitmedikamente dienen der Prophylaxe und der Therapie von Nebenwirkungen, die durch Verwendung der Nichtopioidanalgetika und Opioidanalgetika ausgelöst werden.
* Laxantien: Die Obstipation stellt eine häufige, oft hartnäckige Nebenwirkung der Opioidtherapie dar. Deshalb sollte jeder Schmerztherapieplan, in dem schwache oder starke Opioidanalgetika verwendet werden, obligat ein Laxans beinhalten.
* Magenschutzpräparate: Nichtopioidanalgetika haben, abhängig vom verwendeten Präparat, eine unterschiedliche ulcerogene Nebenwirkungsrate. Deshalb sollte bei der Verwendung von Nichtopioidanalgetika gleichzeitig ein Magenschutzpräparat verordnet werden.
* Antiemetika: Nausea und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen von Opioiden. Deshalb wird bei der Verwendung von Opioidanalgetika die prophylaktische Gabe von Antiemetika vor allem am Beginn der Therapie empfohlen. Nach 1-2 Wochen stellt sich meist eine Toleranz gegenüber der opioidinduzierten Übelkeit ein. Deshalb kann nach dieser Zeit von der initialen Dauertherapie auf eine intermittierende Therapie nach Bedarf übergegangen werden.
* Adjuvante Medikamente - Koanalgetika (Tab. 3): Dazu gehören Medikamente, die zusätzlich zu ihrer pharmakologischen Hauptwirkung eine analgetische Wirkung besitzen oder aber die Wirkung anderer Analgetika unterstützen.
* Antidepressiva: Die Hauptindikation zur Verwendung von Antidepressiva in der Schmerztherapie sind neuropathische Schmerzen mit brennendem Schmerzcharakter und sympathikusbedingte Schmerzen. Zusätzlich führen Antidepressiva zu einer Verstärkung der Analgesiequalität von Nichtopioiden und Opioiden.
* Antikonvulsiva: Antikonvulsiva sind bei neuropathischen Schmerzen mit einschießendem Charakter indiziert. Auch bei Phantomschmerzen sollten sie in die therapeutischen Überlegungen miteinbezogen werden.
* Kortikosteroide: Bei entzündlicher Schmerzursache, Nervenkompression/- infiltration sowie bei Spannungsschmerzen parenchymatöser Organe ist die Verwendung von Corticosteroiden indiziert. Wird Dexamethason verwendet, so wird eine initiale i.v.-Bolusinjektion von 100mg empfohlen. Anschließend wird auf eine orale Dauertherapie übergegangen, wobei die niedrigst mögliche Dosierung in einer Morgendosis (eventuell nur jeden zweiten Tag) verabreicht wird.

Indikationen zu invasiven Therapieformen: Obwohl der Großteil der Tumorschmerzpatienten durch eine orale Form der Schmerztherapie zufriedenstellend behandelt werden können, gibt es Indikationen, die den Wechsel auf eine invasive Therapieform erfordern. Dazu gehört:
* Unmöglichkeit oraler Medikamenteneinnahme durch den Patienten (massives Erbrechen, tumorbedingte Schluckstörungen, Ileus).
* Hoher oraler Analgetikabedarf bei gleichzeitig unbefriedigender Analgesie und/oder intolerablen Nebenwirkungen.
* Spezielle, durch ein invasives Therapieverfahren gezielt behandelbare Schmerzqualitäten (z.B. Coeliacusblockade bei Oberbauchtumoren).


Spezielles bei der Therapie viszeraler Schmerzen

* Viszerale Schmerzen sind häufig von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Blutdruckabfall, Schwitzen oder sogar Schock begleitet, welche für das oft ausgeprägte und im Vordergrund stehende Krankheitsgefühl verantwortlich sind.
* Die generelle Empfindlichkeit viszeraler Schmerzen für Nichtopioide und Opioide ist aus theoretischen Überlegungen und therapeutischer Praxis als gegeben anzusehen. Gerade bei den Opioiden reduziert sich die Problemstellung auf die vor allem klinisch zu diskutierende Frage, ob Opioide bei allen Formen starker viszeraler Schmerzen eingesetzt werden können bzw. wann und unter welchen Umständen Alternativmedikamente bevorzugt werden sollten.
* Besonderes Augenmerk muß den Opioidnebenwirkungen auf die Motilität des Magen- Darm-Traktes, den Tonus der ableitenden Harn- und Gallenwege sowie der glatten Sphinktermuskulatur gewidmet werden. Das schwache Opioid Tramadol (Tramal®) sowie der Agonist-Antagonist Buprenorphin (Temgesic®) scheinen eine relativ geringe spasmogene Wirkung auszuüben, während Morphin und andere starke Opioide bei spastischen Schmerzen den pathogenetischen Schmerzmechanismus eher ungünstig beeinflussen und nur in Verbindung mit Spasmolytika (Butylscopolamin, Pirenzepin, Scopolamin) eingesetzt werden sollen.
* Insgesamt stellen starke Opioide bei der Therapie viszeraler Schmerzen im Abdominalraum wegen möglicher unerwünschter Wirkungen nicht immer die erste Wahl für die Behandlung dar: Spasmolytika und Nichtopioidanalgetika mit spasmolytischer Wirkkomponente, wie Metamizol (Novalgin®) werden hierfür eindeutig bevorzugt. Unter Beachtung entsprechender Kontraindikationen und Nebenwirkungen (cave Knochenmarksdepression und allergische Reaktionen!) ist es daher ein Medikament guter Wahl in diesem speziellen Indikationsbereich, das abhängig vom Schmerzausmaß mit Tramadol oder Morphin kombiniert werden kann. Wenngleich starke Opioide bei vielen dieser Schmerzsyndrome nicht die erste Wahl als Analgetikum darstellen, ist der Einsatz - abhängig vom Ausmaß der Schmerzsymptomatik- in der Praxis oft unumgänglich, selbst wenn theoretisch erwartete Nebenwirkungen der Opioide an der glatten Muskulatur relativ ungünstig beurteilt werden müssen. Jedoch ist in entsprechenden Situationen die kombinierte Gabe mit Spasmolytika und Antiemetika in ausreichender Dosierung vorzunehmen.

Strahlentherapeutische Maßnahmen

Es ist darauf hinzuweisen, daß bei lokalisierten Schmerzzuständen, z. B. durch ossäre Metastasierung oder Tumorinfiltration von Nerven oder empfindlichen Organen immer an eine palliative Strahlentherapie zu denken ist, die im Vergleich zu hochdosierten Schmerzmedikamenten effizient und nebenwirkungsarm in einem großen Prozentsatz einen anhaltenden Therapieeffekt erreichen kann.

Neurochirurgische Maßnahmen

Über 90% der Karzinomschmerzen können ausreichend mit Therapiestrategien nach WHO-Stufenplan beherrscht werden. Bei den übrigen sollten neurochirurgische Interventionen unter kritischer Abwägung von zu erwartender Wirkung und Nebenwirkung in Erwägung gezogen werden.

1. Minimal invasive, reversible Verfahren
1. Intrathekale Morphintherapie lumbal bzw. intrazerebroventrikulär mittels externer oder vollständig implantierbarer Pumpen

Die intrathekale Medikamentenapplikation hat heute die größte Bedeutung unter den neurochirurgischen Verfahren zur Tumorschmerzbehandlung: Die intrathekale Applikation von Opioiden (oder anderen zentral wirksamen Schmerzmitteln wie Clonidin) läßt eine direkte Besetzung der zentralen Opioidrezeptoren in Rückenmark/Medulla oblongata und periaquäduktalem Grau zu, weshalb wesentlich niedrigere Dosierungen (mg - Bereich) ausreichen. Das Nebenwirkungsmuster ist prinzipiell gleich wie bei den anderen Applikationsformen (Übelkeit am Beginn der Therapie, Harnverhalten, Obstipation, generalisierter Juckreiz), auf Grund der deutlich niedrigeren Dosierung meist jedoch nicht so ausgeprägt. Außerdem scheint Morphin bei intrathekaler Gabe die Darmmotilität weniger zu beeinträchtigen, weshalb bei gastrointestinalen schmerzhaften Malignomerkrankungen eine intrathekale Morphinapplikation früher einsetzen sollte. Es gibt dabei die Möglichkeit, vollständig implantierbare Systeme zu verwenden, welche perkutan aufgefüllt werden. Darüber hinaus können telemetrisch Dosisanpassungen vorgenommen werden, was ganz wesentlich zu einer Erhöhung der Lebensqualität führt und Komplikationen im Sinne von Infektionen senkt.
2. SCS (spinal cord stimulation) und Deep Brain Stimulation

Mittels epidural, spinal bzw. zerebral eingebrachten Elektroden können genau definierte Schmerzareale erfaßt werden und durch Neuromodulation die Schmerzübertragung gehemmt bzw. körpereigene, schmerzhemmende Mechanismen aktiviert werden. Es müssen jedoch aufwendige, z.T. vielpolige (duale oktopolare) Elektroden eingesetzt werden, um die zu erwartende Schmerzzunahme ( bedingt durch ein Fortschreiten der Grunderkrankung) ausreichend erfassen zu können. Diese Methode ist sehr kostenintensiv, wird daher nur in Ausnahmefällen Anwendung finden und ist speziellen Zentren vorbehalten.
2. Ablative Verfahren

Heute haben die ablativen Verfahren in der neurochirurgischen Schmerztherapie nur noch einen geringen Stellenwert und finden daher nur in individuell streng abzuwägenden Fällen Anwendung. Ablative Verfahren sind z.B. die anterolaterale Chordotomie, die stereotaktische (oder auch g -Knife) Thalamotomie und DREZ (dorsal root entry zone). Von den aufgeführten Verfahren haben nur noch die perkutane Chordotomie sowie die Thalamotomie klinische Relevanz.

Chordotomie:

(a) offen: über eine Laminektomie in Allgemeinnarkose durchgeführt:

Komplikationen:
* Mortalität unilateral ca. 3%, bilateral durchgeführt ca. 20%
* Paresen unilateral ca. 10-15%, bilateral ca. 24-39%
* Miktionsstörungen unilateral ca. 14%, bilateral ca. 92%!
* signifikante Blutdruckabfälle in ca. 20 %

(b) perkutan: meist Radiofrequenzläsionen (auch mit g -Knife möglich), in Lokalanästhesie; Läsion der aszendierenden Schmerzbahn (Tractus spinothalamicus) mit zeitlich begrenzter Wirkung (evtl. nur wenige Monate).

Risiken:
* Blasenfunktionsstörungen, Paresen, Dysästhesien, Schlafapnoe; aber wesentlich geringere Komplikationsrate als bei der offenen Chordotomie.
* Die häufigsten Indikationen für die stereotaktisch oder mittels g -Knife durchgeführte Thalamotomie sind Schmerzen bei diffuser Metastasierung und im Kopf- und Halsbereich angesiedelte Schmerzen. Initial liegt die Erfolgsrate bei ca. 80%, nach ca. einem Jahr jedoch nur noch bei max. 30%.
* Mögliche Komplikationen: intrazerebrale Hämatome, Infektionen, neurologische Defizite.

Allgemeinchirurgische Maßnahmen

Palliativoperationen (R1/2 Resektion) verschaffen bei richtiger Indikation oft verbesserte Lebensqualität und drastische Schmerzlinderung.

Psychologische Maßnahmen

Das Schmerzerleben wird durch psychologische Faktoren beeinflußt (Aufmerksamkeit, Erwartungsangst, Kontrollverlust und Hilflosigkeit, Mobilitäts- und Autonomieverlust, aktuelle emotionale Befindlichkeit, Depressivität und Hoffnungslosigkeit, Angst vor der Zukunft, Angst anderen zur Last zu fallen, Reaktionen der Umgebung).
1. Diagnostik
* Schmerzanamnese: insbesondere Analyse des zeitlichen Ablaufs der Schmerzen und der schmerzfreien Intervalle; was steigert, was bessert die Schmerzen? Beeinträchtigung des täglichen Lebens; wie bewertet/deutet der Patient die Schmerzen? wie kann der Patient Schmerz beeinflussen (Ablenkung etc.); wie drückt der Patient Schmerz aus? wie reagiert die Umgebung auf Schmerz?
* Psychosoziale Anamnese: Welche Ressourcen hat der Patient? Wo und durch wen findet der Patient emotionale und praktische Unterstützung? Wie konnte der Patient frühere Lebenskrisen meistern? Bedeutung spiritueller und religiöser Einstellungen)
* Angehörigengespräch
* Diagnostische Hilfsmittel: Schmerz-Tagebuch, ev. psychologische Diagnostik

2. Therapieziele
* Steigerung der Selbstkontrolle, Abbau von Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Reduktion von Angst
* Verbesserung der Akzeptanz der Schmerztherapie
* Förderung der sozialen Integration/qualitative Verbesserung der sozialen Unterstützung
* Aushalten und Bewältigen von Trauer

3. Psychologische Behandlung durch den onkologisch tätigen Arzt bzw. das Pflegepersonal
* Information
* psychische Sicherung durch vertrauensvolles, einfühlsames Gespräch
* möglichst Kontinuität der Betreuung durch denselben hauptverantwortlichen Arzt
* Gespräch unter Einschluß der Angehörigen
* Medikamentöse Unterstützung: Gabe von Antidepressiva oder Anxiolytika bei starker Depression bzw. Angst
* bei Complianceproblemen Arzt-Patient-Beziehung überprüfen und insbesondere eigene Gefühle und Einstellungen reflektieren

4. Indikationen für spezielle psychologische bzw. psychotherapeutische Maßnahmen

insbesondere bei:
* chronischen Tumorschmerzen, die von depressiven Symptomen, Angst und Schlafstörungen begleitet sind
* vorbestehenden chronischen Schmerzsyndromen
* vorbestehenden psychischen Störungen oder Erkrankungen (z. B. depressive Störungen, Angsterkrankungen, Substanzmißbrauch mit Toleranzentwicklung bei Opioiden und Tranquilizern, Persönlichkeitsstörungen)
* ungünstige Schmerzbewältigungsstrategien (Grübeln, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug, mangelnde Kommunikation von Schmerz)
* Complianceproblemen (Ambivalenz gegenüber oder Ablehnung von Schmerzbehandlung z. B. wegen Angst vor Nebenwirkungen oder Abhängigkeit oder Angst vor Kontrollverlust, Gleichsetzung von Schmerztherapie mit hoffnungslosem Verlauf)

Klinisch-psychologische bzw. psychotherapeutische Maßnahmen

Grundsätze:

* Individueller Therapieplan
* Integration in den Gesamtbehandlungsplan
* Wünsche nach Autonomie müssen berücksichtigt werden (solange als möglich ambulant)
* auch psychologische Verfahren sollen zeitkontingent angewandt werden
* Spirituelle Elemente (z. B. religiöse Einstellungen) sollen berücksichtigt werden
* Partner und nahe Angehörige miteinbeziehen (wenn Patient einverstanden ist)

Spezielle Verfahren:

* Entspannung, imaginative Verfahren, (Selbst-) Hypnose
* Kognitives Schmerzbewältigungs-Training
* Supportiv-psychodynamische Psychotherapie

Betreuung und Begleitung in der terminalen Lebensphase

Ziel palliativmedizinischer Maßnahmen ist es, den Patienten möglichst lange zu Hause zu betreuen, gleichzeitig aber zu gewährleisten, daß dieser bei Bedarf kurzfristig einen problemlosen Zugang zu einer stationären Palliativeinrichtung hat, aus dieser aber gegebenenfalls wieder in häusliche Pflege entlassen werden kann (Flexibilität, Koordination; Zeit ist kostbar). Auf Grund der nunmehr 30-jährigen Erfahrungen der modernen Palliativmedizin, sind unbedingt notwendig:

* stationäre und
* ambulante Palliativ-Betreuungseinrichtungen
* Palliativ- bzw. Hospiz- Tagesbetreuungsstätten.

Voraussetzung für optimale Erfüllung dieser Aufgaben ist einerseits engste Zusammenarbeit dieser Einrichtungen untereinander (Ideal: eine Trägerschaft; integriertes Gesamtkonzept) und eine enge gut eingespielte Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, wie Krankenanstalten, Hausärzten, Hauskrankenpflege, Sozialdiensten und Seelsorge.

Palliativ- bzw. Hospizteams (ambulant und stationär)

* stehen unter ärztlicher Leitung
* arbeiten im Einvernehmen und in enger Abstimmung mit den Hausärzten, sowie mit dem Krankenhauspersonal (z.B. Entlassungen, Einweisungen etc.) zusammen
* enge Zusammenarbeit mit bestehenden extramuralen Betreuungseinrichtungen und Sozialdiensten
* arbeiten ergänzend zu und nicht an Stelle bestehender Dienste, wie z.B. Hauskrankenpflege, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten, Psychologen, Seelsorgern.
* sind absolut keine Konkurrenz, sondern eine oft dringend notwendige Ergänzung zu bestehenden Diensten und bieten oft auch eine Möglichkeit zur Krisenintervention
* bemühen sich zusätzlich um die Angehörigen
* begleiten auch in der Trauerphase
* keine politische, ideologische oder religiöse Beeinflussung
* multidisziplinäre Teams die interdisziplinär arbeiten (Teamfähigkeit)
* spezielle Kenntnisse und Befähigungen, insbesondere in der Schmerz- und Symptomenkontrolle
* reichlich Erfahrung im Umgang mit belastenden Situationen
* Belastbarkeit, Verläßlichkeit, Selbständigkeit
* Anpassungsvermögen, Flexibilität, Improvisationsfähigkeit

Zugang

* Patienten im terminalen Krankheitsstadium, die aus medizinischen Gründen eine Palliativbetreuung benötigen (nicht nur Krebspatienten, auch neurologische Erkrankungen, terminale Herzinsuffizienz u.a.)

* keine Auswahl nach sozialen, politischen, religiösen Gründen (keine Diskriminierung)

* keine Auswahl nach finanzieller Leistungsfähigkeit

* keine Kosten für den Patienten

Copyright und Informationsquelle: 7. SITZUNG DES TIROLER ARBEITSKREISES ONKOLOGIE - GASTROINTESTINALE TUMORE

(T.A.K.O.-GI) am 26.5.1998

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