Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 269 mal aufgerufen
 Aktuelle Nachrichten (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 613

21.03.2006 23:12
Krebs allgemein: "Krebs wird der Killer Nummer eins" antworten

"Krebs wird der Killer Nummer eins"

Der Präsident des Krebskongresses über den schwierigen Kampf mit Tumorerkrankungen

Herr Professor Hohenberger, wie sehr müssen wir uns vor Krebs fürchten?

Krebs ist auf dem Weg, hier zu Lande der Killer Nummer eins zu werden. Seit den 1980er-Jahren ist die Zahl der Neuerkrankungen um etwa dreißig Prozent gestiegen; mittlerweile sind es ungefähr 400 000 pro Jahr.

Und wie viele Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an Krebs?

Etwa 210 000 - somit gehen 26 Prozent aller Todesfälle auf das Konto von Lungenkrebs und Co. Die Liste der Todesursachen wird zwar noch angeführt von den Herz-Kreislauf-Krankheiten: Sie machen etwa 45 Prozent aus. Diese Leiden sind jedoch rückläufig. In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Zahl um ein Viertel vermindert.

Und warum ist Krebs nicht einzudämmen?

Das hat vor allem mit der alternden Bevölkerung zu tun. In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Menschen über 55 Jahre um 20 Prozent gestiegen. Und von diesem Alter an wird Krebs deutlich häufiger.

Wie kommt das?

Die Reparaturmechanismen der Zellen funktionieren mit fortschreitendem Alter nicht mehr so gut - die Zelle kann dann leichter entarten und bösartig wuchern. Außerdem summieren sich die schädlichen Umwelteinflüsse mit der Zeit - zum Beispiel Tabakrauch, UV-Licht, Umweltgifte und schädliche Stoffe in der Nahrung.

Welches sind die häufigsten Krebsarten?

Bei Männern Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs; bei Frauen Brustkrebs und Darmkrebs.

Und welche Krebsarten sind inzwischen gut behandelbar?

Gute Therapieerfolge haben wir mittlerweile bei Brustkrebs und Darmkrebs. Beispielsweise ist jeder zweite Darmkrebspatient fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Werden die Tumore früh entdeckt, gibt es sogar Heilungsraten von 75 bis fast 100 Prozent.

Bei welchen Tumoren sieht es noch schlecht aus?

Zu den schlimmsten Krebsarten zählen Karzinome der Bauchspeicheldrüse - nur zwei Prozent der Patienten werden geheilt - und Gliome, das sind eigenständige Hirntumore. Allerdings ist die Forschung bei diesen Tumoren auf einem guten Weg, die Therapie zu verbessern.

Generell gibt es in der Therapie wahrscheinlich noch viel zu verbessern.

Ja. Optimal ist sie noch lange nicht. Zum einen sind wir gerade erst dabei, wissenschaftlich abgesicherte Leitlinien für die Behandlung der verschiedenen Krebsarten aufzustellen, die so genannten S3-Leitlinien. Das ist viel Arbeit. Bislang gibt es sie erst für Brust- und Darmkrebs, für das Pankreaskarzinom werden sie bald fertig. Wir bräuchten sie aber auch noch für die anderen großen Killer: Lungen- und Prostatakrebs. Es gibt in Deutschland aber auch flächendeckend strukturelle Defizite.

Inwiefern?

Es hapert vor allem an der Zusammenarbeit der Ärzte der verschiedenen Disziplinen. Chirurgen, Internisten, Strahlenmediziner und Pathologen müssen im Team arbeiten und am besten täglich gemeinsam über alle ihre Tumorpatienten sprechen. Jeder muss sein Möglichstes tun. An vielen Kliniken fehlen aber die Voraussetzungen für eine solche Zusammenarbeit.

Wie lässt sich Abhilfe schaffen?

Es müssen spezialisierte Zentren entstehen. Mammazentren, in denen Brustkrebs behandelt wird, gibt es ja schon. Letzte Woche wurde in Bochum das erste Darmzentrum eingeweiht, bald wird es Prostatazentren geben. Das ist ein großer Fortschritt.

Was müssen die Zentren vorweisen?

Da gibt es einen ganzen Katalog von Anforderungen, um zum Beispiel ein Zertifikat von der Deutschen Krebsgesellschaft zu erhalten. Sie müssen viel Erfahrung haben, eine interdisziplinäre Struktur - auch Schmerzmediziner und Psychoonkologen sollten im Team mitarbeiten. Außerdem sollten sie eng verzahnt mit der Forschung sein. In Deutschland dauert es nämlich noch viel zu lange, bis Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis umgesetzt werden.

Ist es denn das Ziel, eines Tages alle Krebspatienten in solchen Zentren zu behandeln?

Für alle Patienten ist das nicht machbar. Obwohl es gut wäre - denn ein Fehler bei der Ersttherapie ist oft nicht mehr gutzumachen. Wenn zum Beispiel die Operation beim Mastdarmkarzinom nicht gut gemacht ist, dann ist ein Rückfall absehbar. Der Chirurg muss eben genau wissen, wie viel vom Darm er wegschneiden muss, damit die Erkrankung nicht wieder aufflammt.

Woher bekommt man ansonsten eine Empfehlung für eine gute Klinik?

Einige Krankenkassen versuchen auch die Qualität der Kliniken zu erfassen und empfehlen ihren Versicherten nur bestimmte Häuser.

Ein bundeseinheitliches Gütesiegel wie der Blaue Engel im Umweltbereich ist aber nicht in Sicht?

Nein. Das wäre auch nicht so einfach zu realisieren. Wenn zum Beispiel die Behandlungserfolge dabei wichtig sind, dann steht eine spezialisierte Klinik womöglich schlechter da als eine durchschnittliche Klinik - weil zu den Spezialisten die schwierigen Fälle kommen.

Es werden immer mehr neue, selektiv wirkende Krebsarzneien wie Herceptin gegen Brustkrebs entwickelt. Werden sie eine Wende in der Therapie bringen?

In diesem Gebiet hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren immens viel getan. Da hat die Grundlagenforschung wirklich etwas geleistet. Es sind in der Regel künstliche Antikörper, die sich spezifisch an die Zelloberfläche der Tumorzelle binden. Es ist auch schon eine weitere neue Wirkstoffgruppe in Sicht: kleine Moleküle, die in den Zellen wirken und bestimmte Signalwege blockieren. Ob die neuen Arzneien die Therapie sprunghaft verbessern werden, ist schwer zu sagen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Fortschritt immer nur in kleinen Schritten kommt.

Einen Nachteil haben die neuen Medikamente: Sie sind sehr teuer. Wird man sie allen Patienten zur Verfügung stellen können?

Da kommt ein großes Problem auf uns zu. Wenn Studien belegen, dass sie wirken und die beste Option sind, dann kann man sie niemandem vorenthalten. Aber welches Gesundheitssystem kann sich das leisten - vor allem da Krebs immer häufiger wird? Die Behandlung von weit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs mit den neuesten Mitteln zum Beispiel kostet mehrere hunderttausend Euro, die Basis-Chemotherapie nur wenige hundert Euro. Wir müssen also herausfinden, welche Patienten welche Therapie brauchen.

Wie lässt sich das herausfinden?

Man könnte zum Beispiel mithilfe eines Gentests vorab prüfen, ob ein teures Medikament wirken wird oder nicht.

Interview: Anne Brüning

Informationsquelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...aft/535962.html

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor