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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

02.09.2006 18:46
«Wir sind stets mit dem Sterben konfrontiert» antworten

«Wir sind stets mit dem Sterben konfrontiert»

Vier Frauen stehen in Schaffhausen rund um die Uhr für die spitalexterne Onkologiepflege (SEOP) im Einsatz.

VON nathalie fahrni


«Mitten in der Nacht kam das Telefon», sagt Esther Mayer, «da habe ich erfahren, dass ein Vater von fünf Kindern, den ich betreut habe, an seinem Krebsleiden gestorben ist.» Lange Zeit, um in Ruhe zu trauern, bleibt Mayer jedoch nicht. Es ist morgens um viertel vor acht, in einer halben Stunde wird sie von ihrer ersten Patientin erwartet.
Esther Mayer ist Pflegefachfrau mit höherem Fachabschluss in Onkologie. Sie besucht krebskranke Menschen und ermöglicht ihnen durch intensive Betreuung, bis zum Tod in ihrem Zuhause zu leben. Bei den Patienten besteht keine Hoffnung mehr auf Heilung. Sie haben die Chemotherapie abgesetzt und müssen häufig innerhalb weniger Wochen oder sogar Tage vom Leben Abschied nehmen. «In dieser kurzen Zeit wachsen die Menschen einem sehr ans Herz. Es ist schwer, sie sterben zu sehen, besonders wenn es krebskranke Kinder oder Mütter sind,» sagt Mayer.

Pflegerin und Beraterin

Die Krebsliga Schaffhausen bietet seit 1985 die spitalexterne Onkologiepflege an. Im Team arbeiten vier Frauen, die pro Jahr im ganzen Kanton Schaffhausen rund 3000 Besuche bei Krebspatienten machen. Esther Mayer ist seit sechs Jahren dabei. In Absprache mit den Ärzten informiert Mayer die krebskranken Menschen über die Anwendung der Schmerzmittel, berät sie bei Ernährungsproblemen, wechselt Verbände, verabreicht Infusionen oder besorgt Medikamente aus der Apotheke. Mayer sorgt sich nicht nur um das körperliche, sondern auch um das seelische Wohl der Patienten. Besonders für allein stehende Menschen ist Mayer eine wichtige Gesprächspartnerin. «Die Menschen haben oft das Bedürfnis, über ihre Vergangenheit oder ihre Ängste zu sprechen. Unser Team nimmt sich dabei immer die Zeit, ihnen zuzuhören», sagt Mayer.

Viel Einfühlungsvermögen braucht Mayer nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei deren Angehörigen. Sie besucht eine 80-jährige Frau, die an Darmkrebs leidet und von ihrem Gatten umsorgt wird. Die Patientin kann vor Schmerzen kaum schlafen und das Essen oft nicht bei sich behalten. Der Ehemann leidet sehr darunter, dies mit ansehen zu müssen. «Wir hatten gestern einen schlimmen Tag», sagt er und schildert die Schmerzen seiner Frau, als müsste er sie selbst ertragen. In Ruhe hört sich Mayer die Sorgen des Mannes an. «Die Angehörigen fühlen sich oft hilflos. Ich versuche, so weit ich kann, sie beratend zu unterstützen.»

Pausenlos unterwegs

«Mein Auto ist mein Büro», sagt Mayer, während sie von einem Krankenbesuch zum nächsten fährt. Im Kofferraum verstaut sie den Grundstock an Schmerzmitteln, den Spritzenkoffer und Verbandmaterial. Auf dem Hintersitz stapeln sich die Patientenakten. Mayer macht täglich bis zu acht Krankenbesuche. Genau planen lässt sich der Arbeitstag einer Onkologieschwester allerdings nicht. Dauernd klingelt das Telefon, Hausärzte und Onkologen schicken Mayer zu Notfällen. «Der Tagesplan kann sich stündlich ändern», sagt Mayer.
Unregelmässige Arbeitszeiten, spontane Einsätze und Anrufe mitten in der Nacht kommen vor. Trotzdem gibt es für Mayer keinen erfüllenderen Beruf. Sie ist mit Herzblut dabei. «Ohne die Nachsicht und Unterstützung meiner Familie könnte ich diese Arbeit jedoch nicht ausüben», sagt Mayer.
Finanzierung und vernetzte Arbeit

Um die Patienten optimal zu betreuen, arbeiten die Mitarbeiterinnen der SEOP teilweise mit Spitexorganisationen zusammen und werden von freiwilligen Helfern, Freunden, Nachbarn und Seelsorgern unterstützt.
Die Leistungen der spitalexternen Onkologiepflege werden zu 90 Prozent durch die Krankenkasse abgedeckt. Der restliche Betrag wird durch Spenden, Legate und teilweise auch durch Erbschaften finanziert. (Postkonto 82-3096-2).

Informationsquelle: http://www.shn.ch/pages/artikel.cfm?id=167494

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