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Leben mit der Krankheit Krebs

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 Nachrichten - Kinder (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

25.07.2006 09:22
»Auf keinen Fall das Sterben verleugnen« antworten

Gesundheit - Die Rexrodt von Fircks Stiftung hilft krebskranken Mütter im Umgang mit ihren Kindern

»Auf keinen Fall das Sterben verleugnen«

TÜBINGEN. »Muss Mama sterben?« Viele Kinder haben Angst, wenn die Mutter an Krebs erkrankt. Während sich die Eltern auf die medizinische Versorgung konzentrieren, bleiben die Kleinen oft mit ihren Sorgen allein. Annette Rexrodt von Fircks hat als Betroffene erlebt, wie schwer die Situation für sie und ihre Kinder war. Nun kämpft sie mit der von ihr gegründeten Stiftung »Gemeinsam gesund werden« um Hilfe für Mütter und Kinder. Am Wochenende sammelte das Brust-Zentrum der Tübinger Uni-Klinik bei seinem ersten Charity-Lauf für das Projekt, das bei den Medizinern großen Anklang gefunden hat (wir berichteten).

Wenn sie erzählt, ist sie ganz bei der Sache. Mit 35 Jahren erhielt Annette Rexrodt von Fircks die Diagnose »Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium«. Sie gab nicht auf, schrieb Bücher und bekam durch diese auch von Kindern Reaktionen: »Die schreiben erschütternde Briefe. Dass sie heimlich weinen, jeden Abend, weil sie die Mama nicht belasten dürfen, weil sie ja stark sein müssen.« Daraus ist der Wunsch gewachsen einzugreifen.

Aus einer Studie der Uni-Klinik Hamburg erfuhr sie, dass die Hälfte der Kinder, die schwer kranke Eltern haben, psychische Störungen entwickeln, aber auch physisch krank werden. »Diese Studie war für uns sehr wichtig. Ich musste etwas tun, damit Eltern und die Mütter lernen, in dieser Situation mit dem Kind umgehen.«

Kernpunkt ihres Projekts ist nun eine Rehabilitation in einem Kurhaus an der Ostsee, an dem an Krebs behandelte Mütter mit ihren Kindern gemeinsam teilnehmen können. Die Finanzierung des Modellprojekts wird von den Krankenkassen und der Rexrodt von Ficrks Stiftung getragen. Für Mütter und Kinder gibt es medizinische und psychologische Betreuung. Kinder können kostenlos Musiktherapie in Anspruch nehmen.

Lehrer informieren

Nach dem Aufenthalt soll aber nicht alles vorbei sein. »Für die Kinder wird ein E-Mail-Kummerkasten eingerichtet, damit sie, wenn sie wieder zuhause sind, weiterhin ihren Ansprechpartner für die Betreuung behalten können.« Für die Mütter gibt es ein geschütztes Forum.

Wie krebskranke Eltern mit ihren Kindern am besten umgehen? Die wichtigste Regel für Annette Rexrodt von Fircks: »Es ist wichtig, den Kindern immer die Wahrheit zu sagen. Kinder spüren immer, wie es uns geht, genauso wie wir spüren, wie es unseren Kindern geht.« Für Kinder sei es grausam, wenn sie nicht mit eingebunden würden, wenn ihnen nichts übrig bliebe als zu vermuten. Wichtig sei aber, sich auf das Gespräch vorzubereiten und nicht, wenn die Diagnose fällt, die Kinder mit Ohnmacht und Hysterie zu überfallen.

»Ein dreijähriges Mädchen stellt andere Fragen, als ein neun- oder elfjähriges Kind«, sagt Rexrodt von Fircks. »Meine Tochter hat gefragt: Ist Krebs ein Tier? Wachsen deine Brüste wieder nach? Und Sohn Lionel hat gefragt: Musst du sterben? Und kann ich das auch kriegen?«

Rexrodt von Fircks empfiehlt, am besten morgens mit den Kindern über die Krankheit zu reden, »weil Kinder und wir auch abends gefühlsmäßig zu stark empfinden«, und besser am Wochenende, wenn alle Zeit haben. Lehrer und Erzieherinnen sollten informiert werden. »Kinder die aggressiv werden, kriegen sonst dort noch eins drauf.«

Bewusst Abschied nehmen

Für besonders wichtig hält Annette Rexrodt von Fircks: »Auf keinen Fall das Sterben verleugnen. Das Abschied-Nehmen ist ganz wichtig. Man glaubt gar nicht, wie viel besser Kinder das verarbeiten, wenn man sich ganz bewusst und schrittweise verabschiedet. Leider wird das Sterben in unserem Land unheimlich verleugnet. Dadurch hinterlassen wir viel Schaden.«

Ende August wird im Tübinger Brust- und Tumorzentrum Infomaterial zu Rexrodt von Fircks Projekt ausliegen. Dann können Mütter sich über eine kostenlose Hotline informieren und anmelden, ohne bei ihrem Arzt oder einer Krankenkasse betteln zu müssen. (GEA)

Informationsquelle: http://www.gea.de/detail/617895

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