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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

20.07.2006 18:26
Reichtum als Risikofaktor für Leukämien im Kindesalter? antworten

Medizin

Reichtum als Risikofaktor für Leukämien im Kindesalter?

London - Auch in Großbritannien bewegt die Häufung von Leukämien in bestimmten Regionen, vor allem aber in der Nähe von Kernkraftwerken und Nuklearfabriken, die Öffentlichkeit. Im Jahr 1984 wurde ein Committee on Medical Aspects of Radiation in the Environment (COMARE) geschaffen, das in seinem elften Bericht jetzt zu einem überraschenden Befund kommt. Danach treten Leukämien bevorzugt in besseren Wohngebieten auf.

Die Vorgeschichte: COMARE wurde 1984 gegründet, um die Häufung von Leukämieerkrankungen in der Umgebung von Kernkraftwerken zu untersuchen. Einen solchen Cluster gab und gibt es in Seafield, einer Ortschaft unmittelbar südlich von Sellafield. In Sellafield wurde 1956 Calder Hall, das erste kommerziell zur Stromerzeugung eingesetzte Atomkraftwerk errichtet. Hier wurde später das Plutonium für die britischen Atombomben gewonnen und bereits 1957 kam es hier zu einem Feuer in einem Reaktor, der als eines der schwerwiegendsten Atomunfälle vor Tschernobyl gilt.

In Seafield erkrankten zwischen 1954 und 2001 21 Kinder an Leukämie, für einen Ort von etwa 1.500 Einwohnern eindeutig zu viel. Doch die britischen Experten zögern bis heute einen Zusammenhang mit der Nähe zur Nuklearanlage zu konstatieren. Stattdessen forderten sie in ihrem dritten Bericht im Jahr 1989, die Untersuchung auf das ganze Land auszudehnen. Herausgekommen ist die weltweit größte Datensammlung zu Leukämien und anderen Krebserkrankungen im Kindesalter, die seither immer wieder Anlass für neue Berichte war. Jetzt ist der elfte Bericht erschienen. Er umfasst 12.415 Fälle von Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphomen und 19.908 Fälle von soliden Tumoren in Kindern unter 15 Jahren in England, Wales und Schottland im Zeitraum von 1969 bis 1993.

Zunächst gehen die Autoren noch einmal auf die Cluster in Seafield bei Sellafield und anderen Kernkraftwerken ein, die zuletzt im 10. Bericht detailliert beschrieben wurden. Neben Seafield bei Sellafield gibt es einen auffälligen Cluster in Burghfield bei Dounreay, der zweiten (inzwischen im Rückbau befindlichen) Wiederaufbereitungsanlage des Landes. Diese Cluster in einzelnen Ortschaften verschwinden jedoch, wenn die gesamten Bereiche im Umkreis von 25 Kilometern um die Anlagen als Bezugspunkt genommen werden. Für die britischen Wissenschaftler ist dies Anlass für den Schluss, dass das Leben im Umkreis der 26 Kernanlagen des Landes nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht. Ob dies die Bewohner von Seafield und Burghfield wirklich zu beruhigen vermag, darf wohl bezweifelt werden.

Die neue Untersuchung beschäftigt sich aber nicht primär mit den Clustern um Kernanlagen. Ähnliche, nicht zufallsbedingte Cluster gibt es auch anderswo im Land, und das Team hat die unterschiedlichsten Ursachen dafür untersucht. Dass nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit der Zahl der Untersuchungen die Chancen steigen, dass eine signifikante (aber in Wirklichkeit unsinnige) Assoziation gefunden wird, ist den Autoren durchaus bewusst.

Aufgefallen ist den Experten, dass die Leukämierate in den besseren Wohngebieten höher ist als in den Gebieten, wo die unteren sozialen Schichten wohnen. Diese Tendenz ist im gesamten Land nachweisbar und für die Autoren natürlich Anlass über die „Dschungel-Hypothese“ nachzudenken. Sie besagt, stark vereinfacht, dass Kinder in unteren Bevölkerungsschichten stärkeren Kontakt zu allen möglichen Krankheitserregern haben. Dies trainiere das Immunsystem, was Fehler, die zu einem Krebswachstum führen können, verhindert. Kinder der privilegierten Schichten würden dagegen besser gegen Infektionskrankheiten abgeschirmt. Eine alternative Erklärung wäre, dass Erkrankungen in der Unterschicht schlechter diagnostiziert werden. Dass dies bei der Leukämie möglich sein soll, erscheint zwar unwahrscheinlich. Da die Cluster aber in der Regel nur aus wenigen Fällen bestehen, könnten einzelne Fehldiagnosen schnell zu einer Verschiebung führen. /rme

Informationsquelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=25007

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