Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 297 mal aufgerufen
 Nachrichten - Kinder (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 613

20.07.2006 13:04
"Tropfen im riesigen Ozean" antworten

"Tropfen im riesigen Ozean"

Mangelware: Identische Blutstammzellen retten Leukämiepatienten

Die Aktion Knochenmarkspende Brandenburg-Berlin (AKBB) wird jährlich vom Havelstädter Lions-Club unterstützt, ist eine so genannte Dauer-Activity. Mit den Einnahmen der Auftaktveranstaltung zu ihrer neuen Konzertreihe "Brandenburger Wassermusiken" am 29. Juli an der Regattastrecke wollen Lions-Club und Brandenburger Theater die AKBB-Kampagne zum Ausbau ihrer regionalen Spenderdatei unterstützen. Wie das gespendete Geld genutzt werden soll, wollte Matthias Gottwald von der AKBB-Gründerin und -Vorsitzenden Gisela Otto wissen. Die MAZ unterstützt die Wassermusiken als Medienpartner.


Wofür steht die Aktion Knochenmarkspende Brandenburg-Berlin?

Otto: Der Verein ist aus der Aktion "Helft Stefan!" hervorgegangen: Einer meiner Schüler aus der zehnten Klasse am Potsdamer Einstein-Gymnasium war 1994 an Leukämie erkrankt. Als ich von Stefans behandelndem Arzt erfahren hatte, dass jederzeit ein Rückfall möglich ist und dann möglicherweise nur eine Knochenmarkspende hilft, haben wir das nötige Geld gesammelt und Knochenmarkspender gewonnen. Der Erfolg hat mich zum Weitermachen motiviert. Inzwischen haben wir eine regionale Datei mit aktuell 20 160 potentiellen Spendern aufgebaut.

Das klingt viel.

Otto: Angesichts der Aussichten, einen geeigneten Spender von Knochenmark oder Blutstammzellen für einen Leukämiepatienten zu finden, ist das noch nicht genug, denn die Chance ist geringer als für einen Sechser im Lotto. Bei Spender und Patient muss eine Kombination von acht Gewebemerkmalen übereinstimmen. Ich spreche da nicht mehr von einer Stecknadel im Heuhaufen, sondern von dem einen roten Tropfen im riesigen blauen Ozean.

Wie bekommen Sie potentielle Spender für ihre Datenbank?

Otto: Wir rufen alle gesunden Menschen zwischen 18 und 55 Jahren auf, sich typisieren zu lassen. Mit einem Bluttest - der Grundtypisierung - werden dann die Gewebemerkmale der möglichen Spender von Blutstammzellen ermittelt. Die medizinischen Daten werden mit der jeweiligen Spendernummer an das Zentrale Knochenmark-Spender-Register in Ulm übermittelt und stehen von dort der weltweiten Suche zur Verfügung. Die persönlichen Daten der Spender sind streng Daten geschützt, nur der AKBB bekannt und werden nicht weitergegeben. Ein großes Problem besteht darin, dass eine Typisierung 50 Euro kostet, die wir ausschließlich mit Spendengeldern finanzieren müssen - dafür brauchen wir die Geldspenden!

Wie können geeignete Blutstammzellen Leben retten?

Otto: Im Körper eines Leukämie- oder Blutkrebskranken wird kein gesundes Blut mehr gebildet. Deshalb braucht er Blutstammzellen eines identischen Spenders. Aus diesen entwickeln sich wieder alle Arten von Blutzellen: Zum Beispiel die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, oder die weißen für die Immunabwehr. Beim Patienten kann sich daraufhin ein neues Immunsystem aufbauen, das dauert etwa ein Jahr. Spender und Patient werden dadurch im wahrsten Sinne des Wortes Blutsbrüder.

Müssen sich die Spender einer Operation unterziehen?

Otto: Spendern von Blutstammzellen wird vor der Entnahme ein Medikament verabreicht, das das Knochenmark zur vermehrten Produktion von Blutstammzellen anregt. Diese werden dann in der Charité mit Hilfe eines Gerätes, das so ähnlich wie eine künstliche Niere funktioniert, über die Armvenen entnommen, das dauert in der Regel vier Stunden. In einzelnen Fällen wird der Spender zum nächsten Tag für eine weitere Entnahme gebeten, wenn die Anzahl der Blutstammzellen nicht ausreicht. Wir begleiten unseren Spender in dieser Zeit persönlich und laden ihn anschließend zum Essen ein. Natürlich wird der Spender zuvor gründlich internistisch untersucht und vom Fachmediziner umfassend informiert und beraten. Nur noch selten wird von einer Patientenklinik Knochenmark gewünscht. Diese Entnahme erfolgt unter Vollnarkose und erfordert einen dreitägigen Klinikaufenthalt.

Wie finanzieren Sie ihre Arbeit?

Otto: Wir haben ein hoch motiviertes Team und erhalten von vielen Seiten wichtige Unterstützung, ohne die unsere Arbeit kaum so erfolgreich wäre: Von einem Babelsberger Betrieb wurden uns drei Büroräume zur Verfügung gestellt, ein Rehbrücker Autohaus stellt uns für besondere Aktionen einen Kleinbus zur Verfügung, eine Babelsberger Werbeagentur layoutet kostenlos unsere Broschüren, eine Druckerei in Rehbrücke hilft uns mit Sonderpreisen. Dennoch benötigen wir ständig Spenden, um unsere Typisierungskampagnen zu finanzieren, damit unsere Spenderdatei weiter wächst.

Wie oft konnten Sie bisher helfen?

Otto: Über 4000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Leukämie. Wir konnten bisher aus unserer Datei insgesamt 49 Spender in verschiedene Länder an Leukämiekranke vermitteln, davon in diesem Jahr bereits elf.

Warum wollen Sie die Spender-Datei immer weiter ausbauen?

Otto: Ich will die vorbeugende Bedeutung unserer Arbeit an einem konkreten Beispiel aus dieser Region erläutern. Im Sommer 2003 organisierten wir eine Typisierungsaktion für den 35-jährigen Frank Schulz aus Brielow. Obwohl sich etwa 2800 potentielle Spender in Brandenburg und Umgebung typisieren ließen - zwölf Arztpraxen in und um Brandenburg haben den Bereitwilligen tagelang völlig kostenlos Blut abgenommen - fand sich in der ganzen Welt kein identischer Spender für Frank. Für ihn gab es leider keine Rettung. Er hatte immer wieder betont, dass mit den neuen Spendern, wenn auch nicht ihm, aber vielleicht anderen geholfen werden könnte, und so wird er über seinen Tod hinaus zum Lebensretter. Denn wir konnten aus den Reihen derer, die sich für ihn hatten testen lassen, schon vier Patienten helfen. Wir erfüllen also durch unsere Arbeit auch sein Vermächtnis.

Informationsquelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/b...10750460/61009/

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor