Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 511 mal aufgerufen
 Aktuelle Nachrichten (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 613

18.07.2006 10:51
Die Hoffnung stirbt zuletzt antworten

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Sich einfach gegen Krebs impfen lassen – in den USA ist das seit kurzem beim Gebärmutterhalskrebs möglich. Doch damit ist die heimtückische Volkskrankheit nicht besiegt: Bald wird Krebs zur häufigsten Todesursache in der westlichen Welt. Derweil streiten sich Ärzte und Epidemiologen darüber, wie sehr Chemotherapien Leben verlängern. Wo der Kampf gegen den Krebs derzeit steht.

Es war 1954, als der amerikanische Arzt Joseph Burchenal die neunjährige krebskranke Debbie mit einem experimentellen Medikamentencocktail behandelte. Die Zellgifte hielten Debbies Leukämie in Schach, und das Mädchen wurde zur ersten Langzeitüberlebenden mit Blutkrebs – trotz den Nebenwirkungen der aggressiven Substanzen. Die Euphorie war gross, und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Krebs in all seinen Formen endgültig besiegt war.

Doch diese Zeit dauert eine Ewigkeit: Trotz vielen Nobelpreisen für die Krebsforschung und immensen Investitionen der Industrie bleibt Krebs diejenige Krankheit, die «von der modernen Medizin am wenigsten kontrolliert werden kann», wie Harold Varmus vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York neulich im Fachblatt «Science» geschrieben hat.

In der Tat: Die krebsbedingten Sterblichkeitsraten sind im 21. Jahrhundert ähnlich hoch wie noch vor 50 Jahren – auch wenn man berücksichtigt, dass zumindest die westlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten stark gealtert sind und damit die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krebs gerade bei älteren Menschen zugenommen hat. Dieses Faktum ist indessen nicht nur fehlendem Fortschritt in der Krebsbekämpfung zuzuschreiben. Thomas Cerny, Präsident der Krebsliga Schweiz und Chefonkologe am Kantonsspital St. Gallen, sagt: «Bei wichtigen Krebsarten wie etwa dem Lungenkrebs ist die Mortalität zurückgegangen.»

In der Bekämpfung anderer Volksleiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionskrankheiten hat die Medizin aber markantere Erfolge erzielt: Hier sind die Sterberaten im letzten halben Jahrhundert um rund zwei Drittel gesunken. Damit hat die Bedeutung von Krebs als Todesursache wieder zugenommen. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch verstärken. Thomas Cerny sagt: «In absehbarer Zeit wird Krebs die häufigste Todesursache in der westlichen Welt.» Bis zum Alter von 75 Jahren ist Krebs in der Schweiz heute schon für die meisten Todesfälle verantwortlich. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jedes Jahr rund sieben Millionen Menschen an Krebs – das ist ein Achtel aller Todesfälle. Im Jahr 2000 sind weltweit 11 Millionen Menschen neu an Krebs erkrankt, nach einer Prognose der WHO werden es 2020 jährlich bereits 15 Millionen sein.

Krebserregende Viren eliminieren

Solche Zahlen belegen die schon fast epidemischen Ausmasse der Volkskrankheit Krebs. Deshalb erstaunt es nicht, dass jede neue Entwicklung in der Krebsbekämpfung mit grossen Hoffnungen von Patienten sowie oft vollmundigen Versprechungen der Pharmaindustrie und nach Forschungsgeldern schielender Wissenschaftler verbunden ist. Jüngstes Beispiel ist die erste vorbeugende Impfung, die sich direkt gegen das Auftreten eines Krebses richtet. Anfang Juni hat nämlich die amerikanische Heilmittelbehörde FDA einem Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs die Marktzulassung erteilt. Und Ende Juni hat eine beratende Kommission dem staatlichen US Center for Disease Control and Prevention (CDC) empfohlen, Mädchen schon ab neun Jahren flächendeckend mit dem Präparat der Pharmafirma Sanofi Pasteur MSD zu impfen.

Gebärmutterhalskrebs ist nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Hervorgerufen wird der Tumor – wie laut dem Heidelberger Krebsforschungzentrum 15 Prozent aller Krebserkrankungen – durch eine Infektion mit Viren. In diesem Fall ist der Erreger ein humanes Papilloma-Virus, von dem es rund 100 Typen gibt und etwa 30 durch sexuelle Kontakte übertragen werden. Die Typen 6 und 11 lösen bei Frauen und Männern an den Geschlechtsorganen die Bildung juckender, aber harmloser Feigwarzen aus. Die Typen 16 und 18 aber machen insbesondere Zellen im Gebärmutterhals zu Tumorzellen, indem sie die Kontrollmoleküle ausschalten, welche normalerweise die Zellteilung bremsen. Rund 70 Prozent aller Krebse des Gebärmutterhalses werden von diesen beiden Virentypen verursacht. In Zulassungsstudien an mehreren tausend Frauen hat sich gezeigt, dass der Impfstoff von Sanofi Pasteur MSD gegen die Typen 16 und 18 zu 100 Prozent wirksam ist.

Die Konkurrenzfirma Glaxo Smith Kline hat inzwischen einen ähnlichen Impfstoff entwickelt, den sie nach Auskunft ihres Schweizer Sprechers Eric Bandle gegen Ende 2006 bei der FDA für die Zulassung einreichen wird. Bereits deponiert sind die Anträge für beide Krebsimpfstoffe bei der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic. Ein Entscheid über die Zugangserlaubnis für den hiesigen Markt wird voraussichtlich Anfang 2007 fallen.

Zu viele unnötige Krebsabstriche

Das Papilloma-Virus ist das Virus, das am häufigsten beim Geschlechtsverkehr übertragen wird. Schätzungen zufolge stecken sich weltweit 70 Prozent aller sexuell aktiven Frauen einmal in ihrem Leben mit dem Virus an, aber nur bei einem Zehntel von ihnen führt es zu Gewebeveränderungen im Gebärmutterhals. Um diese frühzeitig zu erkennen und vorsorglich zu entfernen, werden in der Schweiz bei Frauen seit den Siebzigerjahren systematische Untersuchungen – so genannte Krebsabstriche – gemacht. «Wir empfehlen, diese Kontrollen alle drei Jahre vorzunehmen», sagt Hanspeter Zimmermann von der Sektion Impffragen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Bezahlt werden sie von den Krankenkassen. «Das Problem ist, dass ein Fünftel aller Frauen in der Schweiz diese Krebsabstriche gar nicht macht, andere Frauen aber dafür zu häufig», sagt der Onkologe Thomas Cerny. «In der Schweiz werden rund eine Million Krebsabstriche jährlich durchgeführt, eine halbe Million – richtig angewandt – würde genügen.»

Und so stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine flächendeckende Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs mit den vermeintlichen Wunderpräparaten ist – auch wenn weltweit jährlich etwa 500 000 Frauen diese Diagnose erhalten und etwa 230 000 sterben; in der Schweiz sind nach Angaben des BAG jährlich etwa 400 Frauen betroffen und es gibt rund 90 Todesfälle. «Ich kann nur den Kopf schütteln über die amerikanische Empfehlung, Mädchen noch vor den ersten sexuellen Kontakten flächendeckend zu impfen», sagt Thomas Cerny. Die Mädchen könnten sich in einer falschen Sicherheit wiegen und sich nicht mehr mit Kondomen schützen. «Dabei wirkt diese Impfung nur gegen ein kleines Segment der Papilloma-Virus-Stämme.» Dass auch ethische Debatten mit einer frühen Impfung verbunden sind, hat sich in den USA bereits gezeigt. Hier haben konservative Kreise opponiert mit dem Argument: Eine solche Behandlung ermuntere junge Mädchen zu sexuell ausschweifendem Verhalten.

Ein Milliardengeschäft winkt

Hinzu kommt ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle im Auftreten des Gebärmutterhalskrebses. 80 Prozent aller Erkrankungen treffen nämlich Frauen in den armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. «In Nicaragua ist Gebärmutterhalskrebs bei Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren die häufigste Todesursache», sagt Thomas Cerny. Doch in den Entwicklungsländern fehlt das Geld für eine Impfung. Die Pharmafirmen werden sich also auf den Markt im Weltnorden konzentrieren, den Analysten für das Jahr 2010 auf rund acht Milliarden Dollar schätzen. «Es ist noch völlig unklar, wer in der Schweiz oder überhaupt in westlichen Ländern geimpft werden soll», sagt Thomas Cerny. «Auf jeden Fall müssen wir aufpassen, dass nicht der Markt das Ruder übernimmt.» Derzeit ist eine Arbeitsgruppe der Eidgenössischen Kommission für Impffragen daran, Empfehlungen für einen Einsatz der Impfstoffe in der Schweiz zu erarbeiten. Dass die Präparate der beiden Pharmakonzerne Sanofi Pasteur MSD und Glaxo Smith Kline bei uns zugelassen werden, ist wahrscheinlich, denn in der Regel haben die Entscheide der amerikanischen FDA Signalwirkung für die restliche Welt.
So vielversprechend die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs auch ist: Sie wirkt nur bei einer einzigen Krebsart. Und andere Ansätze, das Immunsystem im Kampf gegen die wuchernden Krebszellen fit zu machen, haben es nie über das Versuchsstadium hinausgeschafft. Das gilt insbesondere für die so genannten zellulären Immuntherapien gegen den Schwarzen Hautkrebs und das Nierenzellkarzinom. «Solche Therapien spielen in der Praxis keine Rolle. Sie sind weiterhin klinischen Studien vorbehalten», sagt Martin Fey, Chefarzt an der Klinik für Medizinische Onkologie am Berner Inselspital. Im Gegensatz zum Gebärmutterhalskrebs geht es dabei nicht darum, das körpereigene Abwehrsystem gegen Krebs-Viren zu richten. Vielmehr will man dafür sorgen, dass «Killerzellen» des Immunsystems Krebszellen als fremd erkennen und attackieren. Schwierig sind solche Ansätze nicht zuletzt deshalb, weil sich die Krebszellen in erstaunlich wenigen Merkmalen von normalen Körperzellen unterscheiden und sich einem gezielten Angriff oft entziehen können.

Überlebensraten sind umstritten

Niemand bezweifelt, dass in westlichen Ländern immer häufiger an Krebs gestorben wird, weil die Menschen älter werden und andere Todesursachen seltener. Doch wie lange lebt ein Mensch länger, wenn er die Diagnose Krebs hat und dagegen behandelt wird? Epidemiologen und Onkologen sind sich nämlich uneins darüber, was heute der Nutzen der konventionellen Chemotherapie ist. Ausgelöst hat diese Diskussion der Medizinstatistiker Dieter Hölzel vom Institut für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie der Universität München. Dort leitet er auch das Münchner Tumorregister – eine Meldestelle, welche seit 1978 die Daten aller Krebspatienten im Grossraum München erfasst; zum Einzugsgebiet des Registers gehören heute rund 3,8 Millionen Einwohner.

Vor anderthalb Jahren veröffentlichte Hölzel eine Studie im Deutschen Ärzteblatt, worin er auf der Basis von Zahlen aus dem Tumorregister zum Schluss kam, dass sich die Überlebensraten von Patienten mit metastasierten Karzinomen in Brust, Lunge, Darm und Prostata – also bei den häufigsten Krebsarten – in den letzten 25 Jahren kaum verbesserten. Demnach überlebte zum Beispiel die Hälfte der Patienten mit metastasiertem Darmkrebs 1978 bis 1986 länger als zwölf Monate, in den Zeiträumen von 1987 bis 1993 sowie 1994 bis 2002 lag der entsprechende Wert bei 14 Monaten. Beim fortgeschrittenen Brustkrebs ging die mittlere Überlebenszeit in den gleichen Zeiträumen sogar von 24 Monaten auf 22 zurück.

Der deutsche «Spiegel» griff diese Zahlen auf und machte daraus eine Geschichte, welche den Sinn der Chemotherapie grundsätzlich in Frage stellte, denn gerade bei metastasierten Karzinomen ist das die Methode der Wahl. Entsprechend heftig fiel die Kritik an Hölzel aus. Einige Onkologen stellten sogar Hölzels Arbeitsweise in Frage. Inzwischen hat der Statistiker die Daten bis in die Gegenwart ausgewertet – und er kommt immer noch zum gleichen Befund: «Lebenszeitverlängerungen nach Metastasierung gibt es in Studien, aber nicht bevölkerungsbezogen.»

Länger oder besser leben?

Onkologe Martin Fey zieht ganz andere Schlüsse: «Die mittlere Überlebensrate von Menschen mit metastasiertem Dickdarmkrebs hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt von zwei bis drei Jahren auf vier bis fünf.» Dieter Hölzel sagt dazu: «In unseren Daten sehen wir diese Verdoppelung nicht.» Im Tumorregister München habe man schon im Zeitraum von 1980 bis 1984 bei Menschen unter siebzig Jahren mit fortgeschrittenem Darmkrebs ein mittleres Überleben von 18 Monaten festgestellt: «Dabei ist es geblieben.»

Wie erklärt sich diese Diskrepanz zwischen den Zahlen aus der Bevölkerung und denjenigen aus klinischen Studien? «Es handelt sich hier nur scheinbar um einen Widerspruch», sagt Thomas Cerny. In klinischen Studien würden nämlich Patienten mit optimaler Behandlung erfasst, ein Krebsregister enthalte aber auch jene Fälle, die unter Umständen schlecht behandelt worden seien. «Oft erreicht der Fortschritt die Patienten nicht schnell genug.» Cerny verweist auch auf einen Verzögerungseffekt: «Es dauert manchmal Jahrzehnte, bis sich verbesserte Behandlungen in einer bevölkerungsbezogenen Statistik zeigen.» Und Martin Fey sagt: «Wenn bei einem alten Menschen nach dem Tod Krebs festgestellt wird, heisst das nicht, dass er wirklich daran gestorben ist. In Tumorregistern wird diese Unterscheidung häufig nicht gemacht.» Zudem sei der Zweck einer Chemotherapie nicht in erster Linie die Verlängerung des Lebens, sondern die Minderung der Leiden. «Wichtig ist, dass Arzt und Patient die Ziele einer Behandlung gemeinsam und klar definieren.»

Dieter Hölzel hat in seinen Daten indessen auch Positives zutage gefördert. Nämlich, dass die Chemotherapie durchaus grosse Erfolge verzeichnen kann – zum Beispiel in der Behandlung von Leukämien, systemischen Erkrankungen wie Morbus Hodgkin, verschiedenen Lymphkrebsarten oder Hodenkrebs. Hölzel sagt: «Objektive Erfolge gibt es auch in der adjuvanten Behandlung von Brust-, Eierstock- und Darmkrebs», d. h. wenn die Chemotherapie in Verbindung mit einer Operation eingesetzt wird, bevor sich Metastasen im ganzen Körper gebildet haben.

«Meilensteine in der Onkologie»

Der Präsident der Krebsliga Schweiz, Thomas Cerny, räumt ein, dass es in den Krebs-Sterbestatisiken der 1980er- und 1990er-Jahre «zu einer gewissen Stagnation gekommen ist. Doch das ist jetzt vorbei: In den vergangen fünf bis zehn Jahren hat es in der Krebsbehandlung wirkliche Fortschritte gegeben, die sich in den kommenden Jahren auch in den Statistiken niederschlagen werden.» Der Grund für Cernys Optimismus sind chemotherapeutische Ansätze, die das Krebsübel an der Wurzel packen. Neue Wirkstoffe greifen nämlich sehr gezielt in die molekularen Mechanismen ein, die dafür verantwortlich sind, dass aus einer normalen Körperzelle eine bösartige Krebszelle wird, die immer weiterwuchert. Paradebeispiele für diese Entwicklung sind zwei Schweizer Präparate: Glivec des Basler Pharmamultis Novartis und Avastin seines Konkurrenten Roche. Krebsforscher und Ärzte sind des Lobes voll über die Wirksamheit dieser Medikamente. «Das sind Meilensteine in der Onkologie», sagt Thomas Cerny.

Glivec wird vor allem bei Menschen eingesetzt, die unter einer besonderen Form des Blutkrebses leiden – der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML). Das Medikament blockiert das Enzym Tyrosinkinase, das wegen eines einzigen genetischen Defekts in Blutstammzellen in zu grossen Mengen gebildet wird. Das führt zu einem unkontrollierten Wachstum und verhindert, dass die so entarteten Zellen eines natürlichen Todes sterben. Indessen: CML ist eine seltene Krebsart; sie betrifft jährlich einen bis zwei Menschen auf 100 000.
Avastin seinerseits hungert Tumore aus, indem es einen Wachstumsfaktor neutralisiert und so die Bildung von Blutgefässen unterbindet, die der Krebs für seine Nährstoffversorgung braucht. Die Kombination von Avastin mit einer konventionellen Chemotherapie ist bei metastasiertem Darmkrebs inzwischen in vielen Ländern Standard. Allein: Klinische Studien haben gezeigt, dass so die mittlere Überlebenszeit der Patienten höchstens um fünf Monate verlängert werden konnte.

«Wir brauchen Geduld»

Solche Fortschritte sind nicht gratis zu haben. Der Onkologe Ralph Weissleder von der Harvard Medical School in Massachusetts schätzte kürzlich im Fachmagazin «Science», dass mit diesen neuen, zielgerichteten Behandlungsmethoden die jährlichen Kosten pro Patient von durchschnittlich 20 000 auf 100 000 Dollar angestiegen sind. Martin Fey vom Berner Inselspital sagt dazu: «Pharmafirmen sind keine Wohltätigkeitsinstitute. Sie sollen Gewinne machen und für ihren Forschungsaufwand entschädigt werden. Es ist aber überhaupt nicht transparent, wie sie ihre Preise gestalten.»

Fey stösst sich insbesondere an den Ausgaben der Pharmaindustrie für das Marketing neuer Produkte: «Ich brauche keinen Flug nach Kalifornien an einen Fachkongress und eine Übernachtung in einem Luxushotel.» Die grossen Investitionen seien offenbar massgeblich verantwortlich für die massiven Kosten der neuen Medikamente. «Es braucht dieses Marketing nicht, weil die Fachliteratur den Ärzten wissenschaftlich aufzeigt, wie Medikamente einzusetzen sind.» Liesse man das Marketing bleiben, könnte man eine erhebliche Reduktion der Medikamentenkosten erreichen.

«Die zielgerichteten Therapien haben bewiesen, dass sie im Prinzip funktionieren», sagt Michel Aguet, Direktor des Instituts für experimentelle Krebsforschung (ISREC) in Epalinges. In Zukunft gehe es darum, sie nicht nur gegen eine einzige, klar definierte Störung einsetzen zu können. Die häufigen Karzinome im Darm, in der Lunge oder der Brust sind nämlich komplex und werden oft von einer ganzen Kaskade molekularer Defekte verursacht. Wie stehen die Chancen? Martin Fey sagt: «Wir brauchen Geduld. Bei den häufigen Krebsarten darf man nicht auf ein einzelnes Medikament hoffen, das uns einen riesigen Schritt nach vorne bringt. Die Verbesserung geschieht in kleinen Etappen.»

Informationsquelle: http://www.espace.ch/artikel_235975.html

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor