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Ahasveru Offline

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31.05.2006 18:28
Prostatakarzinom: Fehlender Überlebensgewinn durch Operation von Low-Grade Tumor antworten

Medizin

Prostatakarzinom: Fehlender Überlebensgewinn durch Operation von Low-Grade Tumoren

Sutton/England - Nicht alle Patienten, bei denen das Prostatakarzinom durch ein PSA-Screening frühzeitig entdeckt wird, profitieren von einer radikalen Prostatektomie. Nach Berechnungen im British Journal of Cancer (2006; 94: 1361-1368) ist die Operation vor allem bei Low-Grade-Tumoren (Gleason-Score <7) fraglich. Der Überlebensvorteil in den ersten 15 Jahren geht gegen Null.

Prostatakarzinome wachsen sehr langsam und viele Patienten, die mit dem PSA-Screening erkannt werden, erleben deshalb das symptomatische Stadium der Erkrankung nicht mehr. Sie würden deshalb auch keinen Nutzen aus der Operation (oder einer Strahlentherapie) ziehen. Die entscheidende Frage lautet deshalb, welche Patienten operiert werden sollten und bei welchen eine abwartende Haltung gerechtfertigt wäre. Diese Frage wurde bisher nur in zwei prospektiven Studien untersucht, von denen die erste (Iversen et al. Scand J Urol Nephrol 1995: Suppl 172: 65-72) zu klein war, um definitive Antworten zu geben. Die zweite Studie, die Scandinavian Prostatic Cancer Group Study, die im letzten Jahr (Bill-Axelson et al. NEJM 2005; 352: 1977-1984) publiziert wurde, zeigte nach 8,1 Jahren erstmals einen (noch nicht signifikanten) Überlebensvorteil von 5,3 Prozent, wenn die Patienten operiert wurden.

Diese Studie wurde jedoch vor Einführung des PSA-Screening durchgeführt, das die Diagnose der Tumoren um mehrere Jahre vorverlegt. Diese „Lead time“ ist abhängig von den histologischen Eigenschaften des Tumors, die im Gleason-Score erfasst werden. Je höher der Gleason-Score, desto maligner ist der Tumor und desto früher ist mit einer symptomatischen Erkrankung zu rechnen. Bei einem Gleason-Score von >7 (High-Grade-Tumor) könnte die „Lead time“ nur 5 Jahre betragen, wie Chris Parker und Mitarbeiter des Institute of Cancer Research in Sutton, England, auf der Basis früherer Kohortenstudien berechnet haben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient innerhalb von 15 Jahren am Tumor stirbt, beträgt dann 72 Prozent, was bei den jüngeren Patienten (Alter 55 bis 59 Jahre) sicherlich eine Operation rechtfertigen würde, auch wenn sie nicht alle Todesfälle verhindert. Nach den Berechnungen von Parker dürfte der Überlebensvorteil nach 15 Jahren für Patienten mit High-Grade-Tumoren jedoch 26 Prozent betragen. Anders sieht die Situation aus, wenn die Patienten mit High-Grade-Tumor bei der Diagnose bereits 70 bis 74 Jahre sind. Hier kommen die britischen Onkologen auf einen Überlebensvorteil durch die Operation von 6 Prozent in den ersten 15 Jahren.

Zweifelhaft wird die Operation bei Personen mit positivem PSA-Wert, bei denen die anschließende Biopsie zum Befund eines Low-Grade-Tumors (Gleason-Score <7) führt. Selbst für die jüngeren Personen (55 bis 59 Jahre) beträgt die Lead-Time 14,1 Jahre, das heißt, die Tumoren werden erst im Alter von Anfang bis Mitte 70 symptomatisch, wonach die Patienten dann noch einige Jahre, wenn auch unter eingeschränkter Lebensqualität überleben könnten. Der Überlebensvorteil durch die Operation geht in den ersten 15 Jahren gegen Null, schreiben Parker und Mitarbeiter. Angesichts der steigenden Lebenserwartung mag sich der eine oder andere Endfünfziger trotzdem für die Operation entscheiden. Bei älteren Menschen im Alter von 70 bis 74 Jahren macht ein Überlebensvorteil in den nächsten 15 Jahren von unter 1 Prozent aber sicherlich keinen Sinn mehr.

Die Studie ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Die Daten sind das Ergebnis einer mathematischen Modellrechnung. So stammen die Daten zum natürlichen Verlauf der Erkrankung aus einer Studie, die in den 70er-Jahren begonnen wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass die heute diagnostizierten Tumoren sich anders verhalten. Auch könnte es sein, dass der Wert der Operation bei High-Grade-Tumoren unterschätzt wurde. Deshalb werden zu dieser zentralen Frage derzeit zwei randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt.

Der Prostate Cancer Intervention versus Observation Trial (PIVOT) vergleicht die radikale Prostatektomie mit einer abwartenden Haltung („watchful waiting“). Sie hat die Rekrutierung der Teilnehmer bereits abgeschlossen. Die Prostate testing for cancer and Treatment (ProtecT)-Studie hat auch einen Arm zur Strahlentherapie, die viele Radiologen als gleichwertige Alternative zur Operation betrachten. Bevor die ersten Ergebnisse der beiden Studien vorliegen, werden – wegen des langsamen Wachstums der Tumoren – noch einige Jahre vergehen. /rme

Informationsquelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=24364

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