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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

31.05.2006 11:54
Dem Krebs kräftig einheizen antworten

Dem Krebs kräftig einheizen

Immer mehr Studien zeigen, dass die Hyperthermie die Wirkung von Strahlen- und Chemotherapie verstärkt

Marieke Degen

Die Überhitzung von Tumorgewebe oder Hyperthermie ist, neben Chemotherapie, Bestrahlung und Operation, die heimliche vierte Säule in der Krebsbehandlung - und auf einem guten Weg, sich als Standard für bestimmte Tumoren zu etablieren. Das ist das Fazit von Experten aus aller Welt auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Hyperthermie (ESHO), der am Wochenende in Berlin zu Ende ging.

"In den vergangenen Jahren sind Studien abgeschlossen worden, die die Wirksamkeit der Hyperthermie bei vielen Tumorarten zum ersten Mal nachweisen", sagt Peter Wust, leitender Oberarzt an der Klinik für Strahlenheilkunde der Charité am Campus Virchow-Klinikum. Zugleich sei es gelungen, die Technik zur Erhitzung des Körpers zu verbessern und Verfahren zu entwickeln, die Körpertemperatur der Patienten besser zu kontrollieren.

Die Hyperthermie eignet sich vor allem als Zusatzbehandlung für große, solide Tumore, denen mit Chemo- oder Strahlentherapie allein nicht beizukommen ist. Vollständig ersetzen kann sie Zytostatika und Bestrahlung jedoch nicht.

Bei der Behandlung liegen die Patienten in einer Röhre mit Antennenpaaren, die auf den Tumor gerichtet sind. Hochfrequente Mikrowellen erhitzen das befallene Gewebe auf 40 bis 44 Grad Celsius. Dadurch sterben die Tumorzellen ab oder aber der Tumor wird besser durchblutet. Chemotherapeutika gelangen auf diese Weise leichter ins Gewebe. Es strömt auch mehr Sauerstoff hinein, was den Tumor strahlenempfindlicher macht.

Nebenwirkungen gebe es kaum, sagt Peter Wust. Bisweilen erlitten die Patienten leichte Verbrennungen, die aber schnell wieder abklängen. Weil die Prozedur für den Kreislauf belastend sei, müsse ihre Körpertemperatur streng überwacht werden.

"Der Behandlungserfolg hängt stark von der Krebsart und vom Krankheitsstadium ab", sagt die Onkologin Jacoba van der Zee von der Universitätsklinik Rotterdam. Bereits im Jahr 2000 veröffentlichte sie in der Medizinerzeitschrift Lancet eine Studie mit 358 Patienten, die an fortgeschrittenem Blasen-, Darm- oder Gebärmutterhalskrebs litten. Wurden sie ausschließlich bestrahlt, bildeten sich 39 Prozent der Tumore zeitweilig zurück - und 57 Prozent der Gebärmutterhalskarzinome. Allerdings überlebte noch nicht einmal jede dritte Patientin mit Gebärmutterhalskrebs die ersten drei Jahre nach Beendigung der Therapie. Wurden die Versuchsteilnehmer zusätzlich mit Wärme behandelt, schrumpften 55 Prozent der Tumore; im Gebärmutterhals traf dies sogar auf 83 Prozent der Tumore zu. Rund die Hälfte dieser Patientinnen überstand die ersten drei Jahre nach Abschluss der Behandlung.

Zu noch deutlicheren Erfolgen führte eine Untersuchung an der US-amerikanischen Duke University, über die das Forscherteam um die Onkologin Ellen Jones vor einem Jahr in der Zeitschrift Clinical Oncology berichtete. An der Studie nahmen 122 Probanden mit Tumoren unterschiedlicher Art teil, darunter auch viele Brustkrebskranke. Gemeinsames Merkmal dieser Karzinome war, dass sie alle relativ dicht unter der Haut lagen. Bei knapp 70 Prozent der Patienten, die erst bestrahlt und dann mit Hitze behandelt wurden, bildete sich der Tumor temporär zurück. Bei alleiniger Bestrahlung war dies nur bei knapp 25 Prozent der Fall.

Auch Charité-Wissenschaftler um Peter Wust beteiligen sich an der Hyperthermie-Forschung. Sie entwickelten die so genannte Teilkörperhyperthermie, bei der jeweils nur eine Körperregion, zum Beispiel das Becken und der Bauchraum, erhitzt wird. Dort bilden sich so häufig vorkommende Tumorarten wie etwa Prostata- und Darmkrebs. Auch Metastasen könne man mit der regionalen Erwärmung bekämpfen, hieß es auf dem Berliner Kongress. Erste Studienergebnisse seien viel versprechend.

"In Deutschland wird die Hyperthermie noch auf ihren Durchbruch als Standardtherapie warten müssen", sagt Peter Wust. Die gesetzlichen Kassen haben die Methode noch nicht anerkannt; eine Behandlung für die dort Versicherten ist deshalb nur im Rahmen von Studien möglich. In den Niederlanden übernehmen die Kassen die Kosten für die Hyperthermie-Behandlung von Gebärmutterhalskrebs.

Lancet, Bd. 355, S. 1119

Journal of Clinical Oncololy,

Bd. 23, S. 3079

Informationsquelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...aft/554713.html

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