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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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24.05.2006 18:17
Darmkrebs: Geringe Vorteile des Screenings im hohen Alter.... antworten

Medizin

Darmkrebs: Geringe Vorteile des Screenings im hohen Alter – Zehnjahresintervall ausreichend

Seattle - Auch wenn die Darmkrebsprävalenz im Alter stetig ansteigt, ist der Überlebensgewinn durch eine Koloskopie bei über 80-Jährigen gering, zeigt eine Studie im amerikanischen Ärzteblatt. Eine andere Studie stützt das auch in Deutschland empfohlene Screening-Intervall von 10 Jahren, an dessen Ende die protektive Wirkung sogar größer ist als in den ersten Monaten nach dem Screening.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten in Deutschland seit Oktober 2002 ihren Mitgliedern zur Früherkennung des Darmkrebses die Koloskopie an. Eine erste Untersuchung ist ab dem 55. Lebensjahr kostenfrei, eine weitere Koloskopie ist 10 Jahre später möglich. Ist diese Beschränkung auf zwei Untersuchungen sinnvoll, oder sollten auch Menschen im hohen Alter gescreent werden? Die jüngsten Zahlen zur Prävalenz, die das Robert Koch-Institut jüngst herausgegeben hat, zeigen, dass die Darmkrebs-Prävalenz im Alter kontinuierlich zunimmt.

Gegen ein Screening von hochbetagten Senioren spricht allerdings, dass die Lebenserwartung mit zunehmendem Alter immer weiter abnimmt, eine Früherkennung und Behandlung des Darmkrebses deshalb eine immer geringere lebensverlängernde Wirkung haben können. Außerdem gib es Bedenken, dass die Durchführung der Koloskopie bei den Senioren immer schwieriger wird und die Komplikationsrate steigen könnte. Otto Lin vom Virginia Mason Medical Center in Seattle und Mitarbeiter haben deshalb in einer Studie die Verlängerung der Lebenserwartung für verschiedene Altersgruppen berechnet (JAMA 2006; 295: 2357-2365).

Grundlage waren die Daten von 1.244 Patienten, die sich zwischen 2002 und 2005 an der Klinik einer Koloskopie unterzogen. Die meisten waren in der Altersgruppe zwischen 50 und 54 Jahren, immerhin 147 Personen waren im Alter von 75 bis 79 Jahren und 63 Probanden waren sogar 80 Jahre oder älter, als sie sich einer Koloskopie unterzogen. Die über 80-Jährigen hatten häufiger fortgeschrittene Neoplasien (14 Prozent gegenüber 3,2 Prozent in der Gruppe der 50 bis 54-Jährigen). Da ihre Lebenserwartung jedoch insgesamt kürzer ist, ziehen sie vermutlich einen geringen Gewinn aus der Koloskopie, wie die folgenden Zahlen zeigen: Die durchschnittliche Verlängerung der Lebenserwartung betrug nur 0,13 Jahre bei den über 80-Jährigen, während es bei den 50- bis 54-Jährigen immerhin 0,85 Jahre sind, ein Unterschied um den Faktor 6,5. Um ein Lebensjahr zu retten, müssen bei den 50-54-Jährigen 1,18 Koloskopien durchgeführt werden.

Diese günstige Zahl ergibt sich, weil diese Menschen (in den USA) noch eine Lebenserwartung von 29 Jahren haben, die durch eine tödliche Darmkrebserkrankung verloren gingen. Bei den über 80-Jährigen beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung noch etwa siebeneinhalb Jahre. Die durchschnittliche Lebensverlängerung um ein Jahr erfordert in dieser Altersgruppe 7,95 Koloskopien. Diese Zahlen zeigen, dass eine Altersgrenze sinnvoll erscheint, auch wenn im Einzelfall auch ältere Senioren noch von einem Screening profitieren dürften. Übrigens erlitt keiner der Teilnehmer, auch die 63 über 80-Jährigen nicht, eine Komplikation. Dies deutet darauf hin, dass die Koloskopie im hohen Alter noch sicher durchführbar ist, auch wenn die Fallzahl der Studie zur Abschätzung des Komplikationsrisikos zu gering war.

Eine weitere Studie beschäftigt sich mit dem optimalen Screening-Intervall (JAMA 2006; 295: 2366-2373). Die Ergebnisse der retrospektiven Analyse von Harminder Singh und Mitarbeiter der Universität in Winnipeg/Kanada stützen im Wesentlichen die deutschen Empfehlungen, decken aber auch eine wichtige Lücke auf. Die Autoren gingen im Tumorregister des Teilstaates Manitoba dem Schicksal von 32.203 Personen mit negativem Befund in der ersten Koloskopie (keine Polypen, keine Malignome) nach. Endpunkt war die standardisierte Inzidenzrate (SIR) auf ein kolorektales Karzinom. Die SIR gibt an, ob die Gescreenten seltener als der Bevölkerungsdurchschnitt an Darmkrebs erkranken.

In den ersten 6 Monaten nach der Koloskopie betrug die SIR 0,69, entsprechend einem Rückgang der Darmkrebsinzidenz um 31 Prozent. Interessanterweise geht die SIR in den folgenden Monaten und Jahren weiter zurück: Nach einem Jahr betrug sie 0,66 (34 Prozent weniger Darmkrebs), nach 2 Jahren 0,59 (41 Prozent weniger Darmkrebs), nach 5 Jahren 0,55 (45 Prozent weniger Darmkrebs und nach 10 Jahren sogar 0,28 (also 72 Prozent weniger Darmkrebs).

Diese schrittweise Besserung der SIR führt Singh darauf zurück, dass einige weiter fortgeschrittene Läsionen bei der Koloskopie übersehen werden, dass sich langfristig aber die gründliche Entfernung aller Polypen positiv bemerkbar macht. Eine gewisse Lücke besteht bei den Läsionen im rechten Kolon. Diese werden bei der Koloskopie häufiger übersehen, was zur Folge hat, dass der relative Anteil (nicht die absolute Zahl) der rechtseitigen kolorektalen Karzinome bei den Gescreenten fast doppelt so hoch ist wie im Bevölkerungsdurchschnitt (47 versus 28 Prozent). Insgesamt zeigen die Untersuchungen jedoch, dass eine gründliche Beseitigung von Polypen während der Screening-Koloskopie die beste Gewähr für eine langfristige Reduktion des Darmkrebsrisikos ist. /rme

Informationsquelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=24318

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