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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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25.03.2006 07:59
Brustkrebs: "Man ist heute viel gelassener" antworten

"Man ist heute viel gelassener"

Vor zehn Jahren erkrankte Renate Wagner an Brustkrebs / Sie kämpft und hilft anderen

Bützow • "Diagnose Krebs" – für viele bricht da die Welt zusammen. "Warum gerade ich", ist oftmals der erste Gedanke. So erging es auch Renate Wagner. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihr Brustkrebs. Heute versucht sie nicht nur, mit der Krankheit zu leben, sondern macht auch anderen Menschen Mut.

Aus dem kleinen Kinderzimmer in der Neubauwohnung ist ein Büro geworden. "Das hat mir mein Mann zu Weihnachten geschenkt und eingerichtet", erzählt die Bützowerin. Im Schrank steht noch eine ältere Schreibmaschine, auf einem kleinen Computertisch schon die moderne Technik. "Ohne PC und Drucker geht es nicht mehr", sagt die 64-Jährige. Einladungen sind zu schreiben und Anträge für Fördermittel zu begründen. "Das muss ordentlich aussehen", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes von "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Am zurückliegenden Wochenende fand gerade wieder die Landestagung statt. Am Mittwoch folgte eine Informationsveranstaltung über die neue Arzneimittelverordnung. Eine Katastrophe für chronisch Kranke, die regelmäßig auf Medikamente angewiesen sind. Deshalb schaute Renate Wagner mit Spannung auf die Ärzteproteste, die gestern auch in unserem Land stattfanden.

Mit der neuen Verordnung würden die Hausärzte noch mehr eingeschränkt bei der Medikamentenverschreibung. "Trotz Befreiung von den Kosten, müssten wir als Patienten dann bei Medikamenten zubezahlen. Manche kosten mehrere hundert Euro. Wer soll das von uns bezahlen?", fragt Renate Wagner.

Die gelernte Kindergärtnerin will sich nicht ihrem Schicksal ergeben, will kämpfen. Dass sich das lohnt, dafür sei sie das beste Beispiel: "Eigentlich spricht man von sieben bis acht Jahren, die man noch hat, nachdem die Diagnose Krebs festgestellt wurde." Sie habe das ganze Programm mit Chemotherapie und den ganzen anderen Behandlungsphasen durch. "Es ist gut, dass die Medizin heute schon vieles bewirken kann."

Für die Bützowerin kam die Krankheit vor zehn Jahren nicht ganz überrraschend. "Auch meine Mutter hatte Krebs. Doch das verdrängt man. Wenn es dann doch passiert, fragt man sich: Warum gerade ich? Doch auf diese Frage gibt es keine Antwort."

Das Schlimmste sei, wenn sich die Menschen nach der Diagnose zurückziehen. Und das trifft auf beide Seiten zu. Die Betroffenen ziehen sich zurück, weil sie andere nicht mit ihrer Krankheit belasten wollen. Gesunde, selbst manche Familienangehörige, könnten mit der Situation nicht umgehen, seien sprachlos. "Wer Krebs hört, denkt immer gleich an Tod. Dabei ist die Wissenschaft so weit, bietet auch Chancen", sagt die Mutter von drei Kindern.

"Man muss vor allem zuhören können"

Sie selbst hat einen aktiven Weg gefunden. Im Jahr 2000 gründete sie in Bützow eine Selbsthilfegruppe "Frauen nach Krebs". "Wir haben um die 25 Mitglieder, darunter zwei Männer", erzählt Wagner. Die Bützower Gruppe ist eine von 23 im ganzen Land. "Auffangen nach dem Schock der Diagnose. Informieren über Hilfen zur Krankheitsbewältigung. Begleiten in ein Leben mit und nach dem Krebs. Das ist unser Anliegen." Man könne den Krebs besiegen. Doch ganz geheilt werde man nie. "Zellen teilen sich in unserem Körper. Jetzt gerade in diesem Moment. Wer als geheilt gilt, kann zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre so leben. Ob der Krebs wiederkommt? Das kann keiner sagen."

Bei den Gruppentreffen geht es nicht ausschließlich um die Krankheit. Man klönt, trifft sich zu Handarbeiten und unternimmt jährlich eine Reise. "Das ist nur möglich, durch die Deutsche Krebshilfe, die die Arbeit des Vereins bundesweit finanziert. Außerdem schreibe ich jedes Jahr an fünf Krankenkassen, die dazu verpflichtet sind, uns zu unterstützen, Förderanträge." Wichtig sei aber bei allem, füreinander da zu sein. "Wichtig ist nicht das Reden. Man muss vor allem zuhören können", sagt Renate Wagner, die sich mit ihrem Schicksal arrangiert hat. Sie lebt seit der Diagnose Krebs auch viel bewusster, sagt sie. "Wenn ich mit dem Fahrrad fahre, beobachte ich die Wolken, die am Himmel dahinziehen, erfreue mich an dem Gezwitscher der Vögel. Man wird viel gelassener."

Und so freut sie sich darauf, bald wieder in den Garten zu kommen. Sie ist nicht nur Kleingärtnerin, sondern auch Vorsitzende der Kleingartensparte "Am Bützower See". "Ich kann nicht anders. Kann nicht einfach ruhig herumsitzen."

Ralf Badenschier

Informationsquelle: http://www.svz.de/newsmv/lr/bue/25.03.06...90/3514490.html

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