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Ahasveru Offline

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09.05.2006 20:54
Nurses' Health Study: Östrogentherapie erhöht langfristig das Brustkrebsrisiko antworten

Medizin

Nurses' Health Study: Östrogentherapie erhöht langfristig das Brustkrebsrisiko

Boston - Erst vor wenigen Wochen hatte eine Auswertung der Women's Health Initiative (WHI) ergeben, dass die Gabe von Östrogenen bei postmenopausalen Frauen das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Jetzt kommen US-Epidemiologen auf der Basis der Nurses' Health Study in den Archives of Internal Medicine (2006; 166: 1027-1032) zu einer entgegengesetzten Einschätzung. Danach steigert die Östrogentherapie langfristig das Brustkrebsrisiko.

Die alleinige Therapie mit Östrogenen in der Menopause ist nur bei hysterektomierten Frauen zulässig, da Östrogene das Risiko von uterinen Tumoren erhöhen. Die Ergebnisse der WHI in den letzten Jahren haben ergeben, dass die Monotherapie mit einem Östrogen auch bei Frauen ohne Uterus Risiken birgt. Dazu gehören ein Anstieg des Schlaganfallrisikos (plus 8 Ereignisse/10.000 Frauen pro Jahr), ein Anstieg des Demenzrisikos (plus 12 Ereignisse/10.000 Frauen pro Jahr) und ein Anstieg des Risikos von tiefen Venenthrombosen (plus 8 Ereignisse/10.000 Frauen pro Jahr). Dem steht zwar ein Rückgang der Hüftfrakturen gegenüber, nicht aber eine Reduktion des Herzinfarktrisikos, weshalb größtenteils die Experten heute von einer langfristigen Therapie mit Östrogenen abraten, zumal es andere Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung der Osteoporose gibt.

Die jüngst im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 1647-1657) publizierten Ergebnisse zum Brustkrebsrisiko hatten deshalb mehr akademischen Wert. Eine dort berichtete leichte und statistisch nicht signifikante Reduktion des Brustkrebsrisikos (minus 8 Ereignisse/10.000 Frauen pro Jahr) unter der Östrogentherapie würde ihren langfristigen Einsatz nicht rechtfertigen. Die WHI-Studie hatte auch herausgefunden, dass die Rate pathologischer Mammographiebefunde unter der Therapie steigt, was gut zu den jetzt mitgeteilten Ergebnissen der Nurses' Health Study passt.

Die Nurses' Health Study ist anders als die WHI keine randomisierte kontrollierte Studie, sondern eine Beobachtungsstudie. Die Beweiskraft ist deshalb geringer. In der Vergangenheit wurden nicht selten Ergebnisse von Beobachtungsstudien durch randomisierte kontrollierte Studien widerlegt. Dies gilt jedoch nicht zwangsläufig. Als Beobachtungsstudien hatte die Nurses' Health Study einen wichtigen Vorteil gegenüber der WHI. Während die WHI nach 7 Jahren abgebrochen wurde, beobachtet die Nurses' Health Study die Teilnehmerinnen nunmehr seit mehreren Jahrzehnten. Dabei kam heraus, dass das Brustkrebsrisiko in den ersten Jahren der Östrogentherapie nicht erhöht ist.

Die multivariaten relativen Risiken (RR), welche die Gruppe um Wendy Chen vom Brigham and Women's Hospital in Boston mitteilt, lassen sogar eine leichte Reduktion, wie in der WHI, möglich erscheinen. Später kommt es jedoch zu einem Anstieg des Brustkrebsrisikos. Frauen, die länger als 20 Jahre Östrogene einnahmen, erkrankten zu 42 Prozent häufiger an Brustkrebs (RR 1,42; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13-1,77). Für die Untergruppe der rezeptorpositiven Tumoren (ER+/PR+) war bereits nach 15 Jahren ein erhöhtes Brustkrebsrisiko erkennbar (RR 1,48; 1,05-2,07). So lange dürfte heute keine postmenopausale Frau mehr mit Östrogenen behandelt werden. Die Leitlinien raten übereinstimmend zu einem möglichst kurzfristigen Einsatz zur Behandlung klimakterischer Beschwerden. Für die Beratung von postmenopausalen Frauen, die in der Vergangenheit lange Jahre Östrogenpräparate eingenommen haben, dürften die aktuellen Studienergebnisse wichtige Hinweise geben, auch wenn die absolute Zahl der zusätzlich induzierten Mammakarzinome gering sein dürfte. /rme

Informationsquelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=24139

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