Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 319 mal aufgerufen
 Aktuelle Nachrichten (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 613

07.05.2006 08:52
Die gefährdeten Lungen der Frauen antworten

Die gefährdeten Lungen der Frauen

Das Risiko von Raucherinnen, Lungenkrebs und andere Atemwegsleiden zu bekommen, ist deutlich größer als das rauchender Männer

von Ingrid Kupczik

Frauen leben länger. Im Schnitt werden sie sieben bis acht Jahre älter als die Männer, sagt die Statistik. Weil sie insgesamt gesünder leben, sich weniger Risiken aussetzen, durch ihre weiblichen Sexualhormone besser vor Herz- und Kreislauferkrankungen geschützt sind. Doch Frauen sind auf dem besten Weg, ihren Überlebensvorteil zu verspielen. Weil sie immer häufiger zur Zigarette greifen. Und dazu das Pech haben, daß ausgerechnet ihre weiblichen Sexualhormone die Anfälligkeit für Lungenkrebs erhöhen, wie neue Studien zeigen.

An den Folgen des Tabakkonsums sterben in Deutschland jährlich mehr als 110 000 Menschen, heißt es im neuen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, der diese Woche vorgestellt wurde. Nicht erwähnt ist darin, daß immer mehr Frauen an Lungenkrankheiten wie der chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) oder Lungenkrebs sterben. Im Jahr 2002 waren unter den 40 000 Lungenkrebstoten in Deutschland ein Viertel Frauen - eine mehr als doppelt so hohe Rate als zehn Jahre zuvor.

"Diese dramatische Zunahme ist die schlimmste Erfahrung in meinem Berufsleben", sagt Helgo Magnussen, Leiter einer Schwerpunktklinik für Pneumologie und Thoraxchirurgie in Großhansdorf bei Hamburg. "Vor 20 Jahren war eine Frau mit Lungenkrebs eine Rarität bei der Visite. Heute kommen auf zehn Patienten fünf Patientinnen." Lungenkrebs ist bei deutschen Männern die häufigste Krebstodesursache, bei den Frauen immerhin schon auf Platz drei, nach Brust- und Darmkrebs. In Amerika haben die Frauen bereits aufgeholt: Dort fordert Lungenkrebs bei beiden Geschlechtern die meisten Toten.

"Die Krankheitsfolgen der Rauch-Epidemie werden sich mit zeitlicher Verzögerung auch bei uns niederschlagen", sagt Magnussen. Heute rauchen 31 Prozent der Frauen in Deutschland und 37 Prozent der Männer. Nahezu ausgeglichen sind die Quoten bei Teenagern: 19 Prozent der Mädchen, 21 Prozent der Jungen zwischen zwölf und 17 qualmen, ergab eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2005.

Lungenkrebs läßt sich in 90 Prozent der Fälle direkt auf Tabakkonsum zurückführen. Für eine Raucherin ist das Risiko, einen Tumor zu entwickeln, allerdings doppelt so groß wie das eines Rauchers gleichen Alters und Gesundheitszustandes mit vergleichbarem Zigarettenkonsum. Das ergab unter anderem eine Untersuchung an der New Yorker Cornell University. "Wir haben aber bisher keine klare Vorstellung, warum die Frauen empfindlicher sind", sagt Studienleiterin Claudia Henschke.

Genetische und hormonelle Faktoren spielten vermutlich eine Rolle. Wie bei allen bösartigen Neubildungen gibt es offenbar auch bei Lungenkrebs eine erbliche Disposition. Familienmitglieder eines Lungenkrebspatienten haben ein dreifach höheres Risiko als andere, ebenfalls Lungenkrebs zu entwickeln. Wissenschaftler der University of Cincinnati entdeckten kürzlich bei Angehörigen, in deren Familien gehäuft Lungenkrebs auftrat, eine Mutation auf Chromosom 6.

Neuere Forschung deutet darauf hin, daß überdies das weibliche Geschlechtshormon Östrogen die Lungen der Frauen verletzlicher macht - so wie es auch die Anfälligkeit für Brust- und Eierstockkrebs erhöht. Zellen von Lungentumoren sind mit Östrogenrezeptoren gespickt. Tierversuche zeigten, daß die Tumorzellen besonders schnell wuchern, wenn sie mit dem Hormon in Kontakt kommen.

"Lungenkrebs scheint bei Frauen eine andere Krankheit als bei Männern zu sein", sagt Jyoti Patel von der Northwestern University. Die Forscherin weist darauf hin, daß Frauen deutlich häufiger ein Adenokarzinom entwickeln, einen bösartigen Tumor, der aus Drüsengewebe hervorgeht. Früher trat dieser Subtyp eher selten auf, heute sei er die häufigste Lungenkrebsform bei Frauen jeden Alters, bei sehr jungen Patienten sowie jener kleinen Gruppe, die nie geraucht hat, aber dennoch Lungenkrebs bekommt.

Wie die Witwe des gelähmten "Superman"-Darstellers Christopher Reeve. Im März starb Dana Reeve an Lungenkrebs, eineinhalb Jahre nach dem Tod ihres Mannes und nur sieben Monate, nachdem der Krebs bei ihr entdeckt worden war. Etwa drei Prozent aller Lungenkrebspatienten sind Nichtraucher wie Dana Reeve. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer, auch dies werten Forscher als Indiz für die geschlechtsspezifische Empfindlichkeit.

Lungenkrebs ist tückisch, weil er lange Zeit keine Beschwerden verursacht und deshalb meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Trotz neuartiger Medikamente, trotz geschickter Kombination aus Operation, Chemo- und Strahlentherapie stehen die Heilungschancen schlecht: 60 Prozent der Patienten sterben binnen einem Jahr nach der Diagnose, 85 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Die Mediziner diskutieren seit längerem, ob sich die hohe Todesrate durch eine Früherkennung senken ließe, vergleichbar der Mammographie zum Aufspüren von Brustkrebs. Hochrisikopatienten etwa würden jährlich ihre Lungen im Computertomographen röntgen lassen. Diese Geräte spüren Tumoren von wenigen Millimeter Größe auf. Ob dadurch tatsächlich die Überlebenschancen der Patienten verbessert würden, ist nicht sicher. Für Pneumologie-Professor Magnussen kann eine CT-Untersuchung "individuell sinnvoll sein, etwa wenn jemand nach vielen Jahren das Rauchen aufgegeben hat und nun wissen möchte, wie es um seine Lunge bestellt ist".

Besser als jede Früherkennung aber ist Prävention. Deshalb hatte Magnussen in dieser Woche wieder Schulklassen zu Besuch. Die zwölfjährigen Jungen und Mädchen haben sich in der Klinik über Zellschäden, Tumorwachstum, Raucherbeine, Chemotherapie informiert - und sie haben Patienten getroffen. Raucher, denen die halbe Lunge entfernt worden war, manche, die nur noch mit einem Apparat atmen konnten. Andere, die hofften, noch wenigstens die Konfirmation ihres Enkels im kommenden Jahr zu erleben. Gestandene Männer und Frauen, die in Tränen ausbrachen und die Kinder beschworen: "Laßt die Finger von Zigaretten!"

Informationsquelle: http://www.wams.de/data/2006/05/07/883500.html?s=2

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor