Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 265 mal aufgerufen
 Aktuelle Nachrichten (alle Krebsarten)
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 613

01.05.2006 22:22
Zank um Brustkrebs antworten

Zank um Brustkrebs

In der Steiermark gibt es Streit um eine Brustkrebs-Broschüre. Jetzt meint die Herausgeberin, es gäbe Anreize, Gebärmütter zu entfernen - ÄrztInnen machen mobil

Das Frauengesundheitszentrum in Graz und die örtliche ÄrztInnenschaft hatten schon immer ein schwieriges Verhältnis. "Ein Grund dafür kann sein, dass wir immer darauf gepocht haben, dass mehr Ärztinnen Kassenstellen für Gynäkologie bekommen," meint Sylvia Groth, Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums. Jetzt hat sich die Situation zugespitzt: Zu Jahresbeginn gab das Frauengesundheitszentrum eine Broschüre (Auflage: 30.000 Stück) mit dem Titel "Brustkrebs Früherkennung" heraus, die Frauen Information zum Mammografie-Screening bieten will. Darin steht beispielsweise, dass häufiges Mammografieren Brustkrebs verursachen kann und dass Früherkennung nicht immer etwas bringe: "In vielen Fällen wird durch eine frühe Entdeckung des Brustkrebses nur der Diagnosezeitpunkt vorverlegt. Die Frau wird dadurch früher zur Patientin, das heißt die Krankheitsphase verlängert sich, sie lebt aber deshalb nicht länger. Früher ist nicht immer besser."

Solche Aussagen treiben vor allem MedizinerInnen auf die Barrikaden: Die ÄrztInnenkammer forderte in einem Brief niedergelassene ÄrztInnen auf, die Broschüre aus ihren Ordinationen zu entfernen. Die Ergebnisse stammten aus den Neunzigern und die Broschüre verunsichere durch unvollständige Informationen und Laienaussagen. So wird an einer Stelle die 56-jährige Regina zitiert: "Mir hat die letzte Mammografie so weh getan, noch Tage danach schmerzten die Brüste. Diese Tortur möchte ich nicht noch einmal erleben." Groth verteidigt sich im Gespräch mit dieStandard.at: "Wir haben die Frauen zu Wort kommen lassen und damit gezeigt, dass wir sie und ihre Erfahrungen ernst nehmen." Das Frauengesundheitszentrum wolle nur, dass die Frauen auf Basis von Information über Risiko und Nutzen selbst entscheiden können. Die Broschüre beziehe sich auf die Früherkennungsuntersuchung an gesunden Frauen, nicht auf die Mammografie, nachdem bereits ein Knoten festgestellt wird.

Finanzielle Anreize

Groth begrüßt zwar grundsätzlich, dass aufgrund ihrer Broschüre eine Diskussion entstanden ist: "Aber bitte nicht auf Boulevardmagazin-Niveau." So meldete sich Michael Smola, Präsident der Brustkrebshilfe über die Gratis-Postille "Grazer im Bild" zu Wort. Unter dem Titel "Frust um Brust" erklärt Smola, die Broschüre verunsichere durch kontroversielle Laienmeinungen. Im Moment habe Österreich mit einer Brust erhaltenden Rate von 92 Prozent einen absoluten Spitzenwert. "Wenn wir die Entscheidung allein den Frauen überlassen, ohne ein Früherkennungs-Screening zu empfehlen, sinkt die Rate wieder auf fünfzig bis sechzig Prozent." Groth bezweifelt Smolas Zahlen, er rate Frauen schon im Alter von 35 zu einer Mammografie-Untersuchung, während die EU-Richtlinien diese erst mit 50 Jahren vorschrieben. "Es gibt keine Studie, die bestätigt, dass das von Nutzen ist." In diesem Alter sei das Brustgewebe noch zu dicht und die Strahlenempfindlichkeit der Brüste zu hoch, weshalb die Aussagekraft des Tests gering sei. Doch Brustkrebsspezialist Smola ist überzeugt: Die Erstuntersuchung mit 30 bis 35 Jahren und regelmäßige Überprüfungen ab 40 seien mitverantwortlich für die hohe Brust erhaltende Rate.

Der Zank um die Brustkrebs-Broschüre ist noch nicht beendet, da tut sich schon eine neue Front auf: In der Sendung Help-TV meinte Sylvia Groth vergangene Woche, es gäbe für ÄrztInnen finanzielle Anreize, die Gebärmutter zu entfernen. Und sie fügte hinzu: "Patientinnen mit Zusatzversicherung haben einen Risikofaktor – sie könnten verschweigen, dass sie eine haben." Emmerich Zeichen, Fachgruppenobmann für Gynäkologie der ÄrztInnenkammer: "Ich werde beim zuständigen Landesrat intervenieren, damit diese Institution einmal zurechtgewiesen wird." Sylvia Groth blickt dieser Drohung gelassen entgegen: "Alles, was ich gesagt habe, ist längst bekannt und in der Fachliteratur nachzulesen." Vor weiteren Konfrontationen mit der ÄrztInnenschaft zittert sie nicht: „Schließlich muss ich die Interessen der Frauen vertreten und nicht die Ärzte zufrieden stellen."

Informationsquelle: http://diestandard.at/?url=/?id=2431198

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor