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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

25.04.2006 14:23
Mammografie für alle - Ist das sinnvoll? antworten

Mammografie für alle - Ist das sinnvoll?

Brustkrebs-Screening: Die meisten Frauen knüpfen zu hohe Erwartungen an den Reihentest

Um herauszufinden, was sich Frauen von einer Röntgenuntersuchung der Brust erwarten und was sie befürchten, gab die Apotheken Umschau bei der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine repräsentative Umfrage in Auftrag. Die Ergebnisse waren teilweise bestürzend: Die Frage, warum sie eine Mammografie haben machen lassen, beantworteten knapp zwei Drittel (62,3 Prozent) der Frauen, die schon einmal mammografiert wurden, mit: „Weil ich damit Brustkrebs verhindern kann.“ 75 Prozent der Untersuchten glaubten, dadurch das Risiko zu verringern, an Brustkrebs zu erkranken.

Solche Annahmen sind Trugschlüsse. Sie zeigen, dass viele Frauen mangelhaft, falsch oder gar nicht informiert sind. Denn die Mammografie ist nur eine Diagnose- und Früherkennungsmethode. Mit ihr können Röntgenärzte in bis zu 90 Prozent der Fälle bereits kleine Tumore in der Brust nachweisen oder Krebs weitgehend ausschließen. Um die Zuverlässigkeit der Untersuchungen zu erhöhen, sollen bundesweit qualitätsgesicherte Reihentests („Mammografie-Screening“) eingeführt werden. Mit 43,3 Prozent wussten weniger als die Hälfte der Interviewten, dass es sich dabei um „eine in regelmäßigen Abständen wiederholte Röntgenuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs für Frauen ab einem bestimmten Alter“ handelt. Tatsächlich gibt es seit 2004 für Frauen von 50 bis 69 Jahren den gesetzlichen Anspruch, ihre Brust alle zwei Jahre im Rahmen eines kostenlosen Früherkennungsprogramms röntgen zu lassen.

Wie viele Leben rettet Screening?
Bis 2007 sollen 9,7 Millionen Frauen zur Mammografie eingeladen werden. Wie die Apotheken Umschau herausfand, fürchtet sich aber knapp die Hälfte aller Frauen vor einer falschen Diagnose. Immerhin müssen von 1000 über 50-Jährigen rund 50 mit einem Fehlalarm rechnen; nehmen sie Hormone ein oder sind die Frauen jünger, schätzen Experten die Zahl deutlich höher ein – eine belastende Situation. Kritiker des Screenings wie Professorin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg bemängeln: „Die Überdiagnosen von Brustkrebs führen zu unnötigen Operationen, Strahlenbehandlungen und Chemotherapien.“

Zudem finden Ärzte neben bisher unentdeckten Karzinomen und Krebsvorstufen auch solche, die das Leben der Frau nie bedroht hätten. „Frauen sollten wissen, dass wir durch das Screening im Gegensatz zum Nichtstun die Sterblichkeit mindestens um 30 Prozent senken“, sagt dagegen Professor Dieter Hölzel vom Tumorregister München. Er hofft, die Zahl der Brustkrebstoten jährlich um bis zu 4000 zu senken. Professor Ulrich Hoffrage, Psychologe an der Universität Lausanne in der Schweiz, macht sich stark dafür, mit klaren Zahlen zu rechnen: „Das kann der Frau bei der Entscheidung helfen, ob sie an einem Brustkrebs-Screening teilnehmen soll oder nicht.“ Denn vom psychologischen Standpunkt aus spielt es eine große Rolle, wie die Vor- und Nachteile dargestellt werden: „Die relative Verringerung der Brustkrebs- Sterblichkeit um 30 Prozent bedeutet absolut gesehen, dass nur fünf von 10 000 Frauen, also 0,05 Prozent, diesen Nutzen haben werden“, betont Ulrich Hoffrage.

Noch begegnen sich Experten unversöhnlich: Grundsätzliche Befürworter wie Hölzel erheben den Anspruch, durch das Brustkrebs-Screening die Sterblichkeit deutlich zu senken. Und Dr. Ralf Ohlinger, Leiter des Brustzentrums Greifswald, geht das Programm sogar nicht weit genug: „Wer höchste Sicherheit für die Frauen haben will, müsste sowohl eine Tastuntersuchung als auch eine Mammografie und einen Ultraschall durchführen.“ Zudem findet der Oberarzt den Abstand von zwei Jahren zu lang, „da sich innerhalb dieser Zeitspanne so genannte Intervallkarzinome entwickeln können“. Mühlhauser hält dagegen: „Brustkrebs- Screening führt nicht zu einer Abnahme, sondern zu einer Zunahme von therapeutischen Eingriffen, einschließlich Mastektomien, dem Entfernen der gesamten Brust.“ Ob sich eine informierte Frau letztlich für oder gegen eine Teilnahme am Screening entscheidet, hängt – neben ihrer Einstellung gegenüber ärztlichen Maßnahmen allgemein – von ihrer persönlichen Risiko-Nutzen-Einschätzung ab.

Informationsquelle: http://www.gesundheitpro.de/Onkologie-2-...OCHP023606.html

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