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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

19.04.2006 15:03
"Krebs-Epidemie" nach Tschernobyl antworten

"Krebs-Epidemie" nach Tschernobyl

Brüssel - Rund 1.700 Menschen sind in Österreich an den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl gestorben oder werden in den nächsten Jahrzehnten noch sterben. Das schätzt der britische Atomexperte Ian Fairlie auf Basis von OECD-Daten über die Strahlenbelastung in den Ländern Westeuropas. Nach Caesium-Messungen der EU-Kommission war Österreich auf Grund der damaligen Regenfälle die am stärksten betroffene Region Westeuropas, erklärte der Experte, der im Auftrag der europäischen Grünen einen neuen Bericht über die Tschernobyl-Folgen erstellt hat, am Mittwoch in Brüssel.

Rund 1.700 Todesopfer in Österreich

Nach Messungsdaten der OECD wurden in Österreich in den ersten drei Jahren 16.600 Menschen mit einem Sievert (ein Messwert für biologische Verseuchung mit radioaktiven Strahlen) belastet. Dabei handelt es sich um einen rein statistischen Wert. Die tatsächliche Belastung sei viel geringer und treffe weit mehr Menschen. Im Durchschnitt könne man aber davon ausgehen, dass etwa zehn Prozent dieser Kennziffer in den Folgejahren als Todesopfer zu beklagen seien - in Österreich wären es demnach 1.660, schätzt der Experte.

Italien und Deutschland stärker betroffen

Noch mehr Tote hat Tschernobyl in Italien und Westdeutschland gefordert, wo nach dieser Rechnung 9.200 bzw. 6.000 Menschen der Katastrophe zum Opfer vielen oder noch fallen werden. "Zwar war die Belastung der Länder nach den Messwerten der Kommission dort weniger stark. Weil der Regen aber anders als in Österreich nicht über den Bergen, sondern in Italien und Deutschland über den weit dichter besiedelten Stadtgebieten niedergegangen ist, wurden dort noch mehr Menschen getroffen", so Fairlie.

"Epidemie"

Insgesamt geht Fairlie in seinem Bericht von 30.000 bis 60.000 Todesopfern in Folge der Katastrophe aus. Die Konsequenzen nur an den Toten zu messen, greife jedoch zu kurz. Alleine in Weißrussland sei bis zum Ende des Jahrhunderts mit bis zu 66.000 Fällen von Schilddrüsen-Krebs zu rechnen. "Das ist eine Epidemie", sagte der britische Experte. Viele Krebserkrankungen, die nicht zwingend tödlich enden, würden überhaupt erst zwanzig bis fünfzig Jahre nach dem Unglück ans Tageslicht kommen - etwa Brustkrebs, Magenkrebs oder Lungenkrebs.

Betroffen davon seien nicht nur Weißrussland und Russland, sondern die gesamte nördliche Erdhalbkugel. Ein Drittel des gesamten EU-Gebiets sei durch die Strahlenbelastung verseucht worden. In Österreich wurde 1996 bis 1998 noch auf 83 Prozent des Staatsgebietes eine erhöhte Strahlenbelastung (vier bis 40 Kilobecquerel pro Quadratmeter) gemessen. Stark erhöht (über 40 Kilobecquerel pro Quadratmeter) war die Belastung auf 13 Prozent des Staatsgebietes. Relativ betrachtet war damit ein größerer Teil des Landes kontaminiert als in der Ukraine selbst, wo zwar eine mehr als drei Mal so große Fläche, aber nur 6,3 Prozent des Landes verseucht wurden.

Niederschlag

"Entscheidend ist, wo der Regen in den ersten zehn Tagen nach der Katastrophe heruntergekommen ist. Neben den nordeuropäischen Ländern Schweden und Finnland war Österreich hier besonders stark betroffen", erklärte Fairlie.

Kritik an IAEO-Studie

Heftige Kritik übten die Grünen am Mittwoch an der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien. Die Agentur habe mit ihrer Studie, wonach Tschernobyl lediglich 4.000 Todesopfer gefordert habe, die Katastrophe verharmlost, sagte die Grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms. Die IAEO habe lediglich die Folgen in der Ukraine, Russland und Weißrussland bis 2004 betrachtet. Wie die Studie der Grünen, die lediglich auf bestehenden offiziellen Angaben der Behörden beruhe, belege, seien die Auswirkungen räumlich und zeitlich viel weit reichender.

Es sei unvereinbar, dass die IAEO gleichzeitig die beiden Aufgaben habe, für die friedliche Nutzung von Atomenergie zu werben und die Folgen von Tschernobyl zu analysieren. Die Grünen wollen daher nächste Woche im Europaparlament von der EU eine eigene unabhängige Studie verlangen, damit die Öffentlichkeit über die Risiken beim Bau neuer Atomkraftwerke aufgeklärt wird.

Informationsquelle: http://kurier.at/chronik/1342406.php

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