Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Leben mit der Krankheit Krebs

Leben mit der Krankheit Krebs
Ein Forum und Infoportal für Betroffene, Angehörige und Interessierte


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 561 mal aufgerufen
 Bücher über Krebs
ELOISE Offline



Beiträge: 1

12.04.2006 20:34
Buchtipp:Marietta Stein:Plötzlich war der Morgen da(Chronik eines Abschieds) antworten

Buchtipp:
Marietta Stein: Plötzlich war der Morgen da (Chronik eines Abschieds)Fischer Taschenbuch Verlag, 2.Auflage September 2001,252 S.,9.90 E. (Auch über AMAZON.de erhältlich)


Chronik eines Abschieds
Eine Geschichte von Liebe und Tod
von Gisela Arnd -Quentin (Frauen Heute / Bremen 1/2000)
Wer schon einmal in der Nähe des Todes gelebt hat, wird diese Zeit nie vergessen. Er wird wieder lachen und arbeiten und spielen wie vordem, aber es wird trotzdem anders sein. Die Erfahrung so intensiv gelebter Tage und Stunden bleibt wie ein Bodensatz  auf dem Grund der Seele liegen und wird aufgerührt, sobald Bilder oder Worte sich mit der Erinnerung an jene Tage verbinden. Nur was erlebt wurde, "trifft " wirklich. Marietta Stein, die Schulleiterin, hat erlebt, was sie aufschrieb, es kann nicht anders sein.
Sie widmet ihre "Chronik eines Abschieds" ihrer Freundin und Lebensgefährtin Katrin, schildert schonungslos und akribisch genau jede Phase dieses Weges, weil sie den Mut, die Kraft und die Liebe dazu in sich hatte.
Am Anfang steht das Glück,das die beiden Frauen in ihrer Begegnung empfanden, wie ein leuchtender Blumenstrauß vor einem dunklen Hintergrund. Denn Katrin S. leidet seit 1979 an Multipler Sklerose, einer unheilbaren Erkrankung des Rückenmarks, sie ist schon teilweise gelähmt, als sie sich zum ersten Mal begegnen.
Trotz ihrer Erkrankung hatte sie das Kunstmuseum, dessen Leitung sie 1976 übernahm "zum Zentrum eines lebendigen kulturellen Lebens gemacht".
Die anspruchsvolle Tätigkeit der Ausstellungsmacherin, beengt durch ihre tägliche Auseinandersetzung mit der zunehmenden Behinderung und auch ihre unbequeme Position als Frau in einer verwalteten Männergesellschaft, auf der anderen Seite ein Schulalltag, der die engagierte Schulleiterin fordert:
Das ist der äußere Rahmen, in dem die beiden so verschiedenen Frauen zu einer beglückenden und erfüllten Gemeinsamkeit kommen. Für kurze Zeit. So ergreifend, lebenswahr und persönlich wird ein erfundener Text, der in einem Taschenbuch in die Welt tritt, selten sein können. Die so weiblich detailreiche, farbige , am Ende tieftraurige und schmerzvolle Geschichte ist wahr.
Als sich herausstellt, daß Katrin neben ihrer MS auch noch Krebs hat, der nach einer vermeintlichen Erholung unaufhaltsam fortschreitet, sind die gescheiten Gespräche im schönen Altbau-Nest um Gott und die Welt oft von Angst und Schmerzen überschattet. Demütigungen im Krankenhaus, ruppiges Personal, Verständnislosigkeit der Umwelt erschweren den Frauen die Stunden zwischen Hoffnung und Verzweiflung.
Soll man beim Lesen leiden, mit-leiden, weinen ?
Warum nicht?
Es bleibt die Geschichte einer wundersamen Beziehung, die niemals banal oder peinlich dargestellt ist.
Die wünschen läßt, selbst, wenn es denn sein muß, in solcher Geborgenheit sterben zu dürfen. Die vielleicht auch zum Nachdenken bringt, ob man selbst genug Zuwendung, genügend Liebe gibt, genug Aufmerksamkeit schenkt, wo gelitten wird. Und dann ist es auch tröstlich: Ich habe Liebe, Krankheit und Sterben erlebt. Nun finde ich, daß ich mit diesen schmerzvollen Erfahrungen doch nicht allein bin. Mancher Gedanke, der von mir nicht zu Ende gedacht wurde, wird hier vollendet. Es ist auch denkbar, daß manche Leserin vorbereitet sein möchte auf Dinge, die ihr geschehen könnten, lernen möchte, wie damit umzugehen.
Oder begreifen will, wie Dankbarkeit, Trauer und Liebe über den Tod hinaus sich anfühlen...


Tagesspiegel/Berlin/Rezension vom 17.10.2000

Ein Bündnis gegen Krebs von Adelheid Müller-Lissner
Als Katrin S. zum ersten Mal beschließt, mit einem geliebten Menschen zusammenzuziehen und das Leben mit ihm zu teilen, ist sie vierzig Jahre alt. Die gefragte Ausstellungsmacherin und ihre Freundin haben für kurze Zeit ein aufregendes berufliches und privates Leben. Mit welcher Wucht eine Krankheit in die glückliche Zweisamkeit einbricht und sie schließlich zerschneidet, beschreibt die Lebensgefährtin als Ich-Erzählerin. "Plötzlich war der Morgen da" ist ein sehr persönliches Tagebuch. Die Autorin Marietta Stein ist studierte Medizinerin, war aber auch jahrelang als Rektorin an verschiedenen Schulen tätig.Brustkrebs ist die häufigste Krebsdiagnose von Frauen im mittleren Lebensalter. Zahlreiche Sachbücher und Erfahrungsberichte zum Thema sind in den letzten Jahren auf dem Buchmarkt erschienen. Marietta Stein geht jedoch anders mit dem Thema um. Zwar beschreibt auch sie einen Kampf. Im Unterschied zu anderen Autoren gibt sie ihn jedoch auch dann nicht auf, als er längst verloren ist. Sie lehnt sich auf, sie will sich dem Tod nicht fügen. Das gibt ihr, als Begleiterin der Geliebten, mehr Kraft alsallen Freunden und Verwandten zusammen: Immer wieder informiert sie sich (und damit auch den Leser) aufs Genaueste, immer wieder setzt sie alle Hebel in Bewegung, um die beste Therapie für die Freundin verfügbar zu machen.Bis zuletzt leugnet sie die Macht ihres ärgsten Gegners, des Todes, der ihr das Liebste endgültig nehmen will. Wenn die Krankenschwester ihr in der letzten Nacht gut zuredet: "Sie müssen jetzt die Hand Ihrer Freundin loslassen, sonst wird sie nicht gehen wollen. Machen Sie es doch sich und ihr nicht so schwer!", so wird der Leser diese behutsam vorgebrachte Mahnung nach so langem und aufopferungsvollem Kampf der Ich-Erzählerin teilen.Doch das Problematische an deren extrem kämpferischer Haltung schmälert nicht, sondern erhöht sogar den Gewinn beim Lesen. Mit ihrer radikalen Verweigerung des "Los-Lassens" liegt Marietta Stein natürlich nicht im Mainstream der einschlägigen Veröffentlichungen. Die Endgültigkeit des Todes, vor allem aber auch die Stärke ihrer Liebe machen ihre Hartnäckigkeit verständlich. Auf jeden Fall geben sie ihrer entschiedenen Position Gewicht.Trotz der Extreme ist dies eine Geschichte, in der sich viele Angehörige von Krebskranken, ob Frauen oder Männer, über weite Strecken wiederfinden werden. Dass es zwei Frauen sind, die hier den Bund fürs Leben eingingen, wird angesichts des Kampfes gegen den Tod fast zur Nebensache.

Neue Presse                        Dienstag, 13. Februar 2001
Beharrlicher Aufstand gegen den Tod
VON CLAUDIA BREBACH
Widerstand: Ein Buch gegen die Macht des Todes
Kann man gegen den Krebstod gewinnen? Man kann. Stärke, Erfahrung und Erinnerung sind die Waffen, die dem
Tod seine kaltschnäuzige Endgültigkeit nehmen.Diesen Aufstand gegen den brutalen Eingriff in ein glückliches Leben beschreibt auf ungewöhnliche Weise die hannoversche Autorin Marietta Stein in “Plötzlich war der Morgen da". In dieser Tagebuchchronik des Abschieds von ihrer Brustkrebs-kranken Freundin kämpft die Erzählerin einen wilden Aufstand gegen den Tod und die von der Umgebung geforderte Demut.  Sie fordert vom Leben und der Medizin Lösungen bis zum letzten Atemzug desgeliebten Menschen ein. Und sie reagiert fassungslos, weil gleichzeitig Verwandte sowie Freunde so leicht loslassen und kapitulieren.Es ist das Tagebuch zweier Leben, denen ein kalter Feind allmählich alle Sinne nehmen will. Er bekommt es mit wütendem, kraftraubendem Widerstand aller Art zu tun.  Aber auch Mutlosigkeit und Entsetzen schleicht sich in kleinen Schritten durch den Alltag dieses letzten gemeinsamen Weges in die Kälte.  Oft drängt sich der Eindruck auf, hier werde sinnlos Kraft in Widerspenstigkeit gegen das Unvermeidliche vergeudet. Man fragt sich zuweilen, ob so viel Kampf nicht auch die Kranke unnötig erschöpft hat.Trost am Ende Doch am Ende dieser Chronik bleibt gerade diese kämpferische Beharrlichkeit als Trost für die, die ein ähnliches Schicksal kennen oder erleiden. Die Auflehnung, so ahnt man, wird den Überlebenden eines Tages gut tun.  Dann nämlich, wenn in verzweifelter Stille die Gewissheit entsteht, dass es kein leichter Sieg für den Tod war und die Erinnerung mit allen Sinnen bleibt. Marietta Stein: Plötzlich war der Morgen da (Chronik eines Abschieds), Fischer Taschenbuch Verlag, 252  Seiten, 2.Auflage Sept.2001.

 Sprung  

counter
Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor