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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

05.04.2006 19:15
Vitamin D-Mangel als Krebsrisiko?..... antworten

Medizin

Vitamin D-Mangel als Krebsrisiko? - Beugt Sonnenlicht dem Brustkrebs vor?

Boston - Ist die verminderte Lichtexposition für die höhere Krebsrate in nördlichen Ländern und bei dunkelhäutigen Menschen verantwortlich? Die Ergebnisse einer Kohortenstudie deuten darauf hin. Ein Mangel des „Sonnenhormons“ Vitamin D war mit einer erhöhte Rate und Sterblichkeit von Krebserkrankungen vor allem des Verdauungstraktes assoziiert. Auf einem Krebskongress in den USA wurden korrespondierende Daten zum Brustkrebsrisiko vorgestellt.

Schon 1941 war dem US-amerikanischen Pathologen Frank Apperly eine inverse Beziehung zwischen Krebssterblichkeit und dem geographischen Breitengrad aufgefallen. Jetzt rückt der „faszinierende Nord-Süd-Gradient“ wieder in den Blickpunkt der Krebsforscher, wie Gary Schwartz von der Wake Forest Universität in Winston-Salem/North Carolina in einem Editorial zum Journal of the National Cancer Institute(JNCI 2006; 98. 428-30) schreibt. Der Grund mag im Scheitern sämtlicher Präventionsbemühungen der letzten Jahre liegen. Beta-Caroten, dessen Mangel in vielen Beobachtungsstudien mit einer erhöhten Krebsrate assoziiert war, war in einer randomisierten kontrollierten Studie alles andere als präventiv. Bei Rauchern steigerte es sogar die Lungenkrebsrate. Auch die Hoffnungen auf Vitamin E und Selen sind längst begraben, und die von Gynäkologen lange propagierte krebspräventive Wirkung der postmenopausalen Hormonsubstitution war in der Womens´ Health Initiative nicht überzeugend. Einem (unter der Kombination Östrogen plus Gestagen) reduziertem Darmkrebsrisiko stand eine erhöhte Rate von Brustkrebs gegenüber. Auch hier hatte es im Vorfeld viel versprechende Ergebnisse aus Beobachtungsstudien gegeben.

Wird sich die Geschichte nun beim Vitamin D wiederholen? Er hoffe nicht, meint Schwartz, denn für die krebshemmende Wirkung von Vitamin D gebe es biologische Hinweise, etwa den Nachweis von Vitamin-D-Rezeptoren auf Melanom- und Leukämiezellen oder die Tatsache, dass neben Leber und Niere noch andere Organe das Vitamin verstoffwechseln können. Hinzu kämen die vielen epidemiologischen Studien, deren jüngste eine Analyse der Health Professionals Follow-Up Studie ist (JNCI 2006; 98: 451-459). Diese Studie begann im Jahr 1986 und schloss mehr als 50.000 Zahnärzte, Apotheker, Optiker, Veterinäre und Heilpraktiker ein. Diese wurden intensiv nach ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt, um den Einfluss dieser Umweltfaktoren auf die Entstehung von Krankheiten zu erforschen.

Von den 47.800 Männern, die bei der Eingangsuntersuchung frei von Krebserkrankungen waren, erkrankten bis Ende Januar 2000 4.286 an Krebs und 2.025 starben daran. Die Vitamin-D-Spiegel wurden nicht gemessen, sondern aus der Angaben zur Ernährung und Einnahme von Supplementen, dem Pigmentierungstyp der Haut, der Körperfülle, der geographischen Breite des Wohnortes und den Freizeitgewohnheiten abgeleitet.

Allein daraus dürften sich einige Ungenauigkeiten in der Abschätzung des Vitamin-D-Spiegels ergeben. Doch angesichts der großen Teilnehmerzahl mag dennoch ein genaues Abbild zwischen dem Vitaminstatus und der Krebsinzidenz herausgekommen sein. Nach den Berechnungen von Edward Giovannucci von der Harvard School of Public Health in Boston ist ein Anstieg der (geschätzten) Vitamin D-Spiegel um 1500 IU/die mit einer um 17 Prozent reduzierten Krebsinzidenz und einer um 29 Prozent reduzierten Krebssterblichkeit assoziiert. Bei Krebserkrankungen des Verdauungstraktes wurde sogar eine Reduktion der Krebsinzidenz um 43 Prozent und der Krebssterblichkeit um 45 Prozent errechnet. Bei Menschen mit der geringsten Vitamin-D-Exposition kommt es danach jährlich zu 758 Krebserkrankungen und 326 Krebstodesfällen auf 100.000 Männer. Unter den Männern mit der höchsten Vitamin-D-Exposition waren es dagegen nur 674/100.000 Krebserkrankungen und 272/100.000 Krebstodesfälle pro Jahr.

Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Krebsprävention in den letzten Jahren lässt sich aus diesen Daten kaum eine krebspräventive Wirkung einer vermehrten Sonnenexposition oder einer Vitamin-D-Supplementierung ableiten. Angesichts der geringen Kosten von Vitamin D dürfte es aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis prospektive Präventivstudien beginnen.

Eine in diesem Zusammenhang interessante Fall-Kontroll-Studie wurde dieser Tage auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research in Washington vorgestellt. Julie Knight und Mitarbeiter vom Samuel Lunenfeld Research Institute in Toronto haben 536 Brustkrebspatientinnen nach ihrer Sonnenexposition im Alter von 10 bis 29 Jahren befragt (Abstract No. 4009) In diese Zeit fällt die Entwicklung der weiblichen Brustdrüse. Frauen, die während dieser Zeit häufig im Freien waren und einem Außen-Beruf nachgingen, erkrankten später zu 40 Prozent seltener an Brustkrebs. Auch die Einnahme von Lebertran im Alter von 10 bis 19 Jahren könnte nach den Ergebnissen der Studie eine protektive Wirkung (minus 25 Prozent) haben.

Günstig würde sich ferner das Trinken von Milch auswirken: Mehr als 9 Gläser pro Woche im Alter von 10 bis 29 Jahren waren mit einer Reduktion der Brustkrebserkrankungen um 35 Prozent assoziiert. Ärzte, die daraus Ernährungsratschläge für ihre Patienten ableiten, sollten jedoch bedenken, dass die Beweiskraft von Fall-Kontroll-Studien noch geringer ist als die von Beobachtungsstudien. Nicht überbewertet werden sollten auch die Ergebnisse einer Meta-Analyse, die Cedric Garland unter Mitarbeiter von der Universität von Kalifornien in San Diego auf der Tagung vorstellte. Danach könnte es eine lineare Beziehung zwischen dem 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut und der Brustkrebsrate geben. Für eine Konzentration von 52 ng/ml errechnen die Autoren eine Reduktion der Brustkrebsrate um die Hälfte. /rme

Informationsquelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=23742

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