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Leben mit der Krankheit Krebs

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Ahasveru Offline

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Beiträge: 613

01.04.2006 08:42
"Wir sind Teil eines großen Experiments" antworten

"Wir sind Teil eines großen Experiments"

Zwischen Lebens-Verlängerung und Lebens-Qualität: Was es bedeutet, immer älter zu werden

Von Henning Noske

Manchmal spricht man über Leben, Tod und Krankheit mit einer gewissen Neugier. Durchaus mit Faszination. Spannende Wissenschaft. Manchmal ruft ein Leser an und sagt: "Meine Frau hat Krebs. Kennen Sie jemanden, der ihr noch helfen kann?"

Termin beim Chefarzt der Onkologie. Es ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Draußen auf dem Flur stehen 30 Stühle in einer Reihe. Wer hier sitzt, hat viele Fragen.

Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jeder zweite Krebs kann heute schon geheilt werden.

Ich darf fragen:

"Wie alt werden wir in Zukunft?"

"Wann ist der Krebs besiegt?"

Prof. Bernhard Wörmann vom Städtischen Klinikum Braunschweig erzählt erstmal eine Geschichte. "Wir sehen heute 100-Jährige in sehr gutem Zustand", sagt er.

Einer dieser 100-Jährigen rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er müsse nach Hause, erklärte der Mann, um seine 72-jährige Tochter zu versorgen. Sie leidet an Demenz.

Unter Demenz versteht man einen Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Über 65 steigt das Risiko, daran zu erkranken, stark an.

Der 100-Jährige konnte beruhigt werden. Seine 52-jährige Enkelin griff ihm unter die Arme. "Solche Geschichten muss man heute nicht erfinden. Die sind Praxis im Krankenhaus", sagt Wörmann.

Termin in der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig-Stöckheim. Hier wird in der Weltspitze geforscht, welche Mechanismen krank machen. Hier wird entschlüsselt, welche Rolle Erb-Faktoren und Körper-Abwehr spielen. Wie alt werden wir in Zukunft? Wann ist der Krebs besiegt?

Prof. Rudi Balling sieht die Menschheit derzeit in einem gigantischen Experiment: "Wie ist es, älter als jemals zuvor zu werden?" Der GBF-Chef gibt die Antwort selbst: "Es ist wie auf einem neuen Kontinent."

Früher habe es noch weiße Flecken auf der Landkarte gegeben. Heute gebe es weiße Flecken der Zeit. Balling: "Wir stürmen nach vorn, doch wir entdecken nicht neue Kontinente, sondern neue Lebens-Jahrzehnte."

Wer heute in Deutschland geboren wird, hat eine um mehr als 30 Jahre höhere Lebenserwartung als derjenige, der vor 100 Jahren geboren wurde.

Das Experiment geht weiter. "Wir fühlen uns verpflichtet, dabei zu helfen, Leben zu verlängern", sagt Balling. Manchmal kommen ihm Zweifel. "Lebensverlängerung ja – aber bei welcher Lebensqualität?"

Hygiene und der Fortschritt von Technik und Medizin sind die entscheidenden Ursachen für unser längeres Leben. Auch Vernunft kann nicht schaden. Sogar die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle nimmt in letzter Zeit ab.

Es ist auch eine Gnade, nicht zu erkranken. Dann kann man topfit 100 werden. "Es gibt Familien, in denen man alt wird", sagt Bernhard Wörmann.

Es gibt 100 Krebs-Arten mit unterschiedlicher Bösartigkeit. Die Krankheit entsteht, wenn das durch Erb-Faktoren (Gene) gesteuerte Reparaturprogramm der Körper-Zellen außer Kontrolle gerät.

Unser Körper hat 25 000 Gene. 5000 davon sind für die ständige Reparatur von 40 000 000 000 000 Zellen zuständig. Je älter wir werden, desto mehr Fehler kommen dabei vor. Wörmann: "Je mehr Fehler passieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Krebs entsteht."

Es gibt heute neben Vorsorge und wirksamen konventionellen Therapien die spannendsten Strategien der Forscher.

Neue Medikamente stoppen den Krebs, ohne ihn endgültig zu besiegen. Er wird chronisch, aber beherrschbar.

Die Forschung entwickelt mögliche Impfungen gegen Krebs. Unser Körper könnte "lernen", den Krebs als Feind zu erkennen.

Es wird individuelle Krebs-Therapien geben: Sie sind auf den Krebs eines einzelnen Menschen zugeschnitten.

"Wir wollen und können Leben verlängern", sagt Balling.

Es erscheint paradox: Je erfolgreicher Forschung und Medizin den Krebs bekämpfen, desto größere Chancen hat er, zu entstehen. "Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher wird Krebs", sagt Wörmann.

Aber: Die Lebenserwartung mit und nach Krebs steigt ständig an. Viele Alters-Krebsarten wie der Prostata-Krebs wachsen zudem sehr langsam.

Im Spannungsfeld von Lebenserwartung und Lebensqualität entstehen unterschiedliche Therapie-Strategien. Wörmann: "Hier wird ein 70-Jähriger vielleicht eine andere Entscheidung treffen als ein 85-Jähriger."

Die Entscheidungen werden immer schwieriger. Das ist übrigens ein Wohlstands-Problem. Forscher verweisen auf weltweite Unterschiede. In den Industriestaaten überleben 75 von 100 Kindern eine Krebs-Erkrankung, in Entwicklungsländern nur 33.

Wie alt werden wir in Zukunft? Rudi Balling: "Es werden bis zu 120 Jahre sein. Es ist eine Expedition in unbekanntes Terrain." Der Forscher plädiert für Demut, nicht Hochmut. Es kann Rückschläge geben.

Wann wird der Krebs besiegt? Bernhard Wörmann: "Wahrscheinlich nie. Es gibt keinen Schalter, mit dem man Krebs ausschalten kann. Diese Krankheit konfrontiert uns mit unserer Endlichkeit."

Informationsquelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid...5/artid/5257524

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